Alle Macht den Drogen! Oder: Wie ich als kaffeeloser Abstinenzler nach dem ersten Kaffee auf einmal alle Drogen der Welt nehmen wollte

Firma.

Kollege Jehovah kommt zu mir: „Oh, Sie trinken wieder Kaffee.“

„Jepp.“

„Wie lange schon?“

„Dezember.“

„Wie kommt’s, wenn ich fragen darf?“

„Der macht so schön high.“

„So so. Ich bilde mir ja ein, dass ich besser schlafe, seit ich keinen Kaffee mehr trinke.“

„Etwa weil Sie morgens nicht mehr so müde sind?“

„Genau.“

„Soll ich Ihnen sagen, was dagegen hilft?“

Fragender Blick.

„Kaffee.“

Muahahaha!

Ich lache und entferne mich.

Ich bin das Chaos …


Hatte ich schon erzählt, warum ich auf einmal wieder Kaffee getrunken habe?

Weil ich das süße Zeug nicht mehr abkonnte.

„Süßes Zeug“ heißt in dem Fall: Tee.

In der Regel Roibos Vanille. Oder Apfel/Zimt, Ingwer/Orange oder so was. Das schmeckt alles so n bisschen süß. Und wenn man das den ganzen Tag trinkt, wird man des Geschmackes überdrüssig irgendwann.

Ich brauchte einfach mal was anderes. Etwas Pures. Etwas Bitteres.

Ich brauchte: Kaffee!

Schwarz.

Einfach wegen des Geschmacks.

Schwarzer Kaffee schmeckt in erster Linie bitter. Darum mögen ihn die meisten Leute nicht. Meine Kinder, zum Beispiel. Aber grad dieser urtümliche, bittere Geschmack ist es, der beim schwarzen Kaffee das Schöne ist. Es ist ein purer, einfacher Geschmack. Eine Grundgeschmacksrichtung: Bitter.

Noch grundlegender geht gar nicht.

Und was noch so schön am Kaffee ist, ist die Wirkung in der Birne: Kaffee macht gute Laune.

Genau so wie Alkohol.

Und wenn man da mal ne Weile drauf verzichtet, dann merkt man erst, wie „leicht“ das Leben einem vorkommt, wenn man sich so an die legalen „Drogen“ hält.

Und dann will man da leider mehr davon. Man ist ja schließlich bald schon vierzig und bekommt Torschlusspanik: Man möchte im Leben schließlich was erlebt haben und sich gut fühlen und plötzlich stinken Zigaretten gar nicht mehr so schlimm und plötzlich weiß man, warum die Raucher alle rauchen, warum die Kiffer alle kiffen und warum sie recht haben mit dem, was sie tun:

Einfach, weil man sich durch Drogen besser fühlt. Und ab wann sind Drogen eigentlich Drogen und sowieso?

Stop.

Hammertime.

„Sag mal, spinnst du eigentlich? Dein Leben lang wolltest du von Drogen nichts wissen – auch wenn’s dir keiner geglaubt hat, so wie du rumgerannt bist – und jetzt kommst du so an?“

„Ja, nicht wahr: Echt witzig, oder?“

Wobei: Nö. Ich habe zwischenzeitlich keine Drogen eingeworfen und sehe auch nicht ein, warum ich es sollte. Aber dieses oben beschriebene plötzliche Verlangen habe ich wirklich verspürt, nachdem ich wieder mit dem Kaffee anfing. Keine Ahnung, wieso.

Zur Zeit trinke ich so viel Kaffee, dass die allseits beliebte anfängliche Euphorie schon fast in Angstzustände umkippt. Ist wissenschaftlich erwiesen: Bei Leuten mit der entsprechenden genetischen Disposition sorgen bereits mittlere Dosen für Angstsymptome, ab der richtigen Menge sorgt Koffein bei allen Leuten für Angstsymptome:

Die Angstreaktion trat allerdings nur dann auf, wenn die Versuchspersonen eine mittlere Dosis von Koffein zu sich nahmen – nämlich 150 Milligramm, das entspricht in etwa zwei Tassen Kaffee. Bei einer niedrigeren Dosis (50 Milligramm) reagierte keine der Versuchspersonen mit Angst, bei einer hohen Dosis (400 Milligramm) hingegen zeigten alle Versuchspersonen eine erhöhte Ängstlichkeit[..]

Ich denke, mit sieben Tassen sehr starken Kaffees gehöre ich eher zur letzten Gruppe.

Mir reicht das schon, wie Kaffee mein Hirn fickt. Jetzt stellt euch mal vor, ich würde mal ne richtige Droge nehmen – was dann wohl in meiner Birne los wäre?

Ach so: Bevor sich da irgendwer Sorgen macht: Ich finde diese Erfahrung interessant. Und da ich auch weiß, wo’s herkommt und mir Kaffee einfach viel zu gut schmeckt, werde ich mich weiterhin auf diese „interessante“ Erfahrung einlassen. Andere geben nen Haufen Geld aus, um so nen Thrill zu spüren. Ich krieg ihn per Firmen-Kaffeemaschine gratis und werde auch noch bezahlt dafür.

Je nach Wetterlage wird einem Kaffee als gut oder schlecht verkauft. Ich glaube ja eher, dass uns all diese widersprüchlichen Informationen viel mehr krankmachen, als all das, was da irgendwelche Leute herausgefunden haben wollen. Aber was weiß ich schon?

Just my 2 cents.

Merke: Der dritte Kaffee schmeckt immer scheiße. Nach dem fünften geht’s wieder.

2 Kommentare zu „Alle Macht den Drogen! Oder: Wie ich als kaffeeloser Abstinenzler nach dem ersten Kaffee auf einmal alle Drogen der Welt nehmen wollte

  1. Mann, ich habe GAR NICHTS gespürt, als ich mit dem Kaffee aufgehört und auch wieder angefangen habe. Außer, dass es in der Kaffe-losen-Zeit meinem Magen besser ging.
    Wobei ich jetzt herausbekommen habe, wie viel Kaffe ich problemlos trinken kann.
    Stimmt mit mir was nicht? 😉

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