Fettarsch aus der Asche: Eine Lebensgeschichte

Ich hoffe, ihr lest alle gern:

Es begab sich vor vielen, vielen Jahren, da begann ein einsamer Fettsack – ich – mit dem Training. Sein Tag bestand aus Arbeiten, Abendessen und direkt danach Pumpen gehen. Irgendwann störte sich der Fettsack daran, dass er beim Training immer so vollgefressen war. Es störte ihn nicht einfach nur, es störte ihn sogar sehr. Es hinderte ihn, seinem Training mit vollem Einsatz nachgehen zu können. Der Fettsack suchte einen Weg, sich von diesem „Problem“ zu befreien und stieß auf: Die Warrior-Diät.

Die Warrior-Diät klingt nicht nur cool, die ist auch cool. Vor allem für so krankhafte Fanatiker wie mich. So Leute, die nur alles oder nichts kennen. Denn die Warrior-Diät besteht aus Extrem-Fasten und Extrem-Fressen und so was zieht Leute wie mich natürlich magisch an.

Wie das geht, fragen Sie?

Nun, um es auf einen Satz zu bringen: Bei der Warrior-Diät darf man essen, so viel man will.

Klingt doch traumhaft, nicht wahr? Schlemmen, so viel man, will und dabei abnehmen. Der Traum aller Frauen-Zeitschriften. Sie dürfen sogar nahezu alles essen, was Sie möchten. Im gewissen Rahmen. Sie sollen, nein: Sie dürfen sich beim Essen gar nicht zurückhalten. Kalorien interessieren überhaupt nicht. Sie dürfen sogar: Bier trinken!!!

Wo ist der Haken, fragen Sie?

Sie dürfen essen, was Sie wollen, so viel Sie wollen, …

… aber nur einmal am Tag.

Bämm, da ham Sie’s: Da ist Ihr Haken. Warum fragen Sie auch?

Klingt extrem, denken Sie?

Ist es auch. Aber: Für „so Leute“ wie mich entsprechen solche Extreme dem natürlichen Lebensraum. Darum tut es „unserem“ Ego zwar gut, wenn uns „normale Leute“ ob unseres extremen Lebens mit ihrer Fassungslosigkeit oder ihrem Entsetzen beglücken, aber: Was die „normalen“ und „wir“ „unnormalen“ Leute leider alle gemeinsam übersehen: Bei all diesen Extremen und der gesellschaftlichen Bewunderung dafür können „extreme“ Leute nämlich eines nicht: „Normal“ leben. Was immer „normal“ in diesem Zusammenhang auch bedeuten mag.

Man kann das durchaus als Schwäche ansehen: Aufgrund „unserer“ Unfähigkeit zum „normalen“ Leben stürzen „wir“ uns in Extreme. Ist das gut oder schlecht? Schwäche oder Stärke? Weder noch: Es ist jedes Menschen persönliche Entscheidung. Nicht mehr.

Fettsack entdeckte also die Warrior-Diät und verliebte sich in sie. Gar nicht, um abzunehmen, sondern weil sie so schön einfach war – einmal am Tag so viel essen man will. Mehr braucht man sich über die Warrior-Diät nicht zu merken. Er aß den ganzen Tag über nichts, ging Pumpen und fraß sich danach voll. Sein Magen war beim Training leer. Er hatte sein Problem gelöst. Er fühlte sich leicht und voller Energie.

Zwei Jahre später hatte er über zwanzig Kilo abgenommen.

Leute, die ihn nicht direkt kannten, schwadronierten in Internet-Foren gegenüber seiner Freundin gar von „Magersucht“. Die Geschäftsführung beschrieb ihren erschlankten Arbeitnehmer als „Wolf“, den man nie essen sehe. Aber da der nun schlanke Fettsack an den Wochenenden relativ normal aß und sich bei Verwandtenbesuchen bei jeder Mahlzeit gediegen vollzufressen pflegte – er würde das alles in den Wochen bis zum nächsten Verwandtenbesuch eh längst wieder runter-warrior-diätet haben -, errang er bald schon den Ruf „einfach essen zu können, was er wolle“. Selbst sein fetter Kollege fragte ihn bei einem Betriebs-Essen mit fassungslosem Gesicht, wo er das alles lassen würde. Sein Schwager adelte Fettsack als „Heuschrecken-Schwarm“.

Der ehemalige Fettsack war jetzt dünn, fraß aber gleichzeitig alles in Grund und Boden. Damit kann eine Gesellschaft nicht klarkommen.

Des Rätsels Lösung nur am Rande: Für die 14 Tage im Jahr, an denen er sich so richtig vollfraß, lebte er die restlichen 351 Tage des Jahres – außer den Wochenenden – nach der Warrior-Diät.

Jahre später. Der Fettsack ist wieder fett. Er ist noch fetter als zuvor. Längerfristige gesundheitliche Probleme haben ihm sein Training unmöglich gemacht. Er ist nicht ausgelastet, hat sein körperliches und seelisches Gleichgewicht verloren. Er hatte sein Training wegen Depressionen begonnen. Damals. Vor mittlerweile über zehn Jahren. Sein Training war sein sofortiger Ausweg aus der Depression. Sein Training und die Tabletten. Die Gesprächs-Theraphie bringt ihm nicht viel. Nach dem ganzen „Gelaber“ beschließt er für sich, dass Depressionen die schwachsinnigste Krankheit der Welt sind. Einfach so. Wer sich nicht gegen seine Depressionen wehrt, wird zum Loser. Zum Verlierer. Im schlimmsten Fall verliert er sein Leben. Der Fettsack will kein Loser mehr sein. Sein ganzes Leben war er ein Loser.

Ohne Training hätte die Depression möglicherweise gesiegt. Ohne Training wäre er möglicherweise schon längst tot. Klingt kitschig und nach Pathos, ist aber so. Schon nach wenigen Wochen setzt er die Tabletten auf eigenen Wunsch ab. Er fühlt sich in der Lage dazu. Durch sein Training. Dazu muss man wissen: Anti-Depressiva wirken normalerweise erst nach wochenlanger regelmäßiger Einnahme. Manche Patienten müssen sie ein Leben lang nehmen. Anders ist ihnen nicht zu helfen. Für sie gibt es keine andere Therapie. Ist nichts Verwerfliches dran. Diese Leute sind keine Loser. Sie sind Helden. Sie gewinnen Kämpfe, die „wir“ nicht mal erahnen. Jeden Tag aufs Neue.

Fettsack will ohne Stützräder klarkommen, ohne Chemie, ohne künstliche Hilfsmittel. Depressionen ficken seinen Kopf schon genug, da müssen keine Tabletten noch zusätzlich drin rumrühren. Der Fettsack macht ein Blutbild. Seine Leberwerte sind auffällig. Nicht beängstigend, aber sein Hausarzt muss nachfragen. Fettsack kann es sich nicht erklären. Der Medizinmann fragt ihn, ob er am Wochenende davor ordentlich einen gepichelt hat. Fettsack verneint. Ob er Anti-Depressiva nehmen würde. Beim Fettsack klingelt’s.

Zurück ins Jetzt: Den Großteil des Tages leidet Fettsack unter Schmerzen. Keine schlimmen Schmerzen, jedoch Schmerzen, die ihn bei jeder Bewegung und Nicht-Bewegung plagen. In seinen Fußsohlen ist was gerissen und entzündet. In beiden. Ärztlicher Rat wird eingeholt, es werden verschiedene Dinge probiert, jedoch ohne befriedigendes Ergebnis. Von der Warrior-Diät hat er sich bereits vor einiger Zeit verabschiedet. Man trennte sich in gegenseitigem Einvernehmen. Fettsack legt keinen Wert drauf, so schlank zu bleiben. Gegen Ende war es auch kein Spaß mehr.

Fettsack hat Schmerzen. Fettsack kann nicht Pumpen. Fettsack kann nicht Laufen. Von drei Mal die Woche Pumpen und fünfzig Kilometer Laufen stürzt Fettsack auf Null. Ins Nichts.

Fettsack fühlt sich scheiße. Sein einziger Trost: Essen. Von Woche zu Woche schmeckt es ihm besser. Fettsack genießt es, so viel mit den Kollegen zu unternehmen. Nicht nur das Essen schmeckt ihm immer besser, auch die soziale Komponente verstärkt sich. Fettsack genießt es, zu essen und essen zu gehen. Wenn er schon Schmerzen hat, so will er wenigstens gut essen.

Erste Zweifel kommen ihm: Er überlegt, wie viel er pro Woche für Essen ausgibt. Wen juckt’s? Ist doch nur Geld. Fettsack kauft sich so gut wie nie was, warum nicht also 50 Euro pro Woche mit seinen Kollegen verfressen? Fettsack fallen andere Dinge ein, für die er 50 Euro pro Woche ausgeben würde.

50 Euro pro Woche macht 2500 Euro im Jahr. Ui, Fettsack weiß nicht mal, für was er so viel Geld ausgeben würde. Fettsack ist ein sehr genügsamer Mensch. Fettsack lebt sein Leben und frisst erst mal weiter.

Fettsack zahlt seinen Studio-Beitrag, obwohl er gar nicht trainieren geht. Wie denn auch: Gehen, Stehen, Sitzen tun ihm weh. Studio-Beitrag: Irgendwas um die 50 Euro pro Monat. Das sind 600 Euro im Jahr.

Doch wie gesagt: Fettsack macht sich nicht viel aus Geld.

Weitere Zweifel kommen auf: Fettsack frisst mehr, als gut für ihn ist. Er merkt, dass er sich nach jedem Essen so vollgefressen fühlt, dass es unangenehm ist. Seine Lösung: Er isst nicht weniger, er frisst mehr. Nachtisch nämlich. Nach dem Deftigem etwas Süßes und er fühlt sich wieder besser. Räumt den Magen auf. In der Firma steht eine große Schale mit Bonbons rum. Fettsack „versorgt“ sich irgendwann selbst zwischen den Mahlzeiten daraus.

Noch mehr Zweifel kommen auf: Fettsack denkt zum ersten Mal darüber nach, wie viele Bonbons er da so typischerweise isst. Sein dünner Kollege nimmt sich manchmal drei, isst aber nur eines und packt die restlichen zwei in seine Schreibtisch-Schublade. Dünner Kolleges Schublade quillt über vor Bonbons. Eine typische Ration Bonbons besteht für Fettsack aus zehn bis zwanzig Bonbons. Da er sich aber jedes Mal nur maximal fünf Bonbons nimmt und das eher so im Vorbeigehen geschieht, merkt er das gar nicht so wirklich.

Fettsack beschließt, mal so langsam drauf zu achten, nicht mehr so viele Bonbons zu essen. Gar nicht wegen seinem Gewicht, sondern eher wegen dem ganzen Zucker und der Sorge um seine Zähne. Fettsacks Zähne sind schon beschissen genug, er muss nicht noch nachhelfen. Wie hat ihm sein Zahnarzt mal erklärt: Eine größere Portion Zucker ist für die Zähne normalerweise kein Problem. Erst über einen längeren Zeitraum verteilter Zucker-Konsum ist Gift für die Zähne. Und Honig sollte man meiden, weil der sich so fies zwischen den Zähnen verteilt. Darum isst mein Zahnarzt nur im Urlaub Honig.

Fettarsch macht eine unerwartete Entdeckung: Je weniger Bonbons er sich vornimmt zu essen, desto mehr Bonbons isst er. Komisch, denkt er, dabei ist er doch so eine disziplinierte Person. Warrior-Diät und viel Sport und so. Früher einmal. In einem anderen Leben.

Fettsack beschließt, sich keinen großen Kopf drum zu machen. Aus seiner Depression hat er ja gelernt, dass sein Kopf sein größter Feind ist. Er versucht, keine große Sache draus zu machen, gar nicht mehr groß drüber nachzudenken, dass er sich eigentlich vorgenommen hatte, weniger Bonbons zu essen. Er muss es einfach vergessen, dass er da was in der Richtung vorhat.

Fettsack denkt nicht mehr drüber nach, weniger Bonbons zu essen …

… und isst noch mehr Bonbons. Einziger Unterschied: Er denkt gar nicht mehr drüber nach, weniger Bonbons zu essen.

So langsam reicht’s aber. Fettsack nimmt sich vor, jetzt aber mal wirklich was zu machen. Er spricht mit seinen Kollegen drüber, macht Witze, seine Kollegen machen Witze. So langsam merkt Fettsack aber, dass es schon nicht mehr lustig sein könnte.

Fettsack hat sich jetzt noch fester vorgenommen, weniger Bonbons zu essen. Sein Essverhalten fängt an, ihn zu nerven. Der zusätzliche Stress sorgt dafür, dass Fettsack noch mehr in sich reinstopft. Aus seinen bereits zu vielen drei Brezeln zum Frühstück werden hin und wieder auch mal fünf – der Tag ist schließlich lang. Hin und wieder gibt es auch zum Abendessen Brezeln. Fettsacks Rekord dürfte bei irgendwo um die sieben Brezeln an einem Tag liegen. Ohne Fress-Wettbewerb.

Leben passiert. Kind 2 kommt in den Kindergarten. Fettsacks Frau fängt wieder an zu arbeiten. Fettsack bringt Kind 2 häufiger mal in den Kindergarten und kommt dadurch in manchen Wochen fast jeden Tag an einer Bäckerei vorbei. Fettsacks Frühstück erreicht seinen Höhepunkt: Es setzt sich in variierender Menge aus Olivenseelen und Franzbrötchen zusammen: Ein „normales“ Frühstück sind eine Olivenseele und zwei Franzbrötchen. Hat Fettsack Stress, erhöht er den Anteil Franzbrötchen auf drei und lässt die Olivenseele weg oder auch nicht oder erhöht die Anzahl Olivenseelen sogar auf zwei.

In Zahlen ausgedrückt:

Fettsack hat an seinen „besten“ Tagen also nach dem Frühstück bereits zwischen 1338 (eine Seele, zwei Franzbrötchen mit je 400 Kalorien gerechnet) und 2696 (zwei Seelen, drei Franzbrötchen mit jeweils 540 Kalorien gerechnet) Kalorien auf. Das ist im schlimmsten Fall weit mehr als er heute an eingem ganzen Tag isst. Unnötig zu erwähnen, dass er diese Menge bereits in den zehn Minuten S-Bahn-Fahrt zur Arbeit komplett verdrückt hat. Danach fühlt Fettsack sich schlecht und tröstet sich den Rest des Tages über. Mit Essen. Noch mehr Essen. Nach so ’nem Frühstück is‘ ja eh egal.

Eines Tages merkt Fettsack, wie er sich vor dem Einkauf eine Ausrede überlegt, falls der Bäcker irgendeinen Kommentar zu seinen fünf Brezeln abgibt. „Für die Kollegen“ und so. Fettsack bildet sich ein, zum ersten Mal krankhafte Tendenzen in seinem Verhalten zu erkennen. Fettsack fängt an, es zu hassen, wenn der Döner-Mann bereits weiß, was er heute bestellen wird. Mittlerweile braucht Fettsack nur noch an der Theke vorbeizugehen und bekommt sein Essen wenig später an den Tisch gebracht. Bis zu vier Mal die Woche geht er dort essen. Direkt gegenüber ist ein Super-Markt. Jeden Montag holt sich Fettsack dort eine Tüte Bonbons. „Familien-Packung“ steht auf der Tüte. Die Kassierern witzelt bereits, ob wieder Montag ist, wenn Fettsack dort einkauft.

Fettsack nimmt sich vor, die Sache langsam angehen zu lassen. Er mag da zwar „vielleicht“ „ein kleines“ Problem haben, aber wozu sich gleich einen abbrechen? Er nimmt sich vor, einfach den Nachtisch mittags wegzulassen. Das sollte für den Anfang genügen.

Der Plan gelingt einige Tage: Fettsack kann sich den Nachtisch mittags verkneifen. Er isst er ihn jetzt abends. Weil ihm der Nachtisch mittags fehlt, hat er bis abends noch mehr Hunger. Er isst zum Abendessen noch mehr. Danach durchsucht und plündert er die Schränke auf der Suche nach Junk.

Fettsack stellt fest: Auch dieser simple Plan funktioniert nicht. Hat er etwa wirklich ein Problem?

Er erwähnt gegenüber seiner Frau zum ersten Mal den Begriff „fress-süchtig“.

Seine Frau lacht. Fettsack lacht mit.

Er erwähnt gegenüber seinem Kollegen zum ersten Mal den Begriff „fress-süchtig“.

Sein Kollege lacht. Fettsack lacht mit.

Fettsack nimmt sich weitere Dinge vor. Nichts gelingt ihm. Egal was er macht, es macht alles nur noch schlimmer. Er frisst und frisst und frisst. Er frisst jedes Mal, bis es ihm schlecht geht.

Jetzt hilft nur noch eins, denkt er: Die Warrior-Diät!

Er isst einfach wieder den ganzen Tag über nichts und abends ganz normal. Irgendwas muss ja schließlich funktionieren.

Der Körper braucht immer ’n paar Tage, um sich an derartige Umstellungen zu gewöhnen. Fettsack kommt nicht mal über die ersten paar Tage Eingewöhnung hinweg. Bis zum Mittag ist er halb wahnsinnig vor Hunger. Die Lust zu essen raubt ihm schier den Verstand. Er kann an nichts anderes denken, als was Schönes zu essen. Gibt es was Schöneres als Essen? Für ihn nicht mehr. Und wenn er halt fett wird: Das ist es ihm wert. Jeden Mittag stiftet er Leute um sich herum an, mit ihm Essen zu gehen. Sein dünner Kollege ächzt bereits unter der Last des ständigen Essens.

Fettsack ergibt sich. Warum auch nicht? Er wird zwar immer fetter, ist aber eher stabil als schwabbelig. Noch. Generell schätzt man ihn mindestens zehn Kilo leichter ein, als er eigentlich ist. Er isst gern, er isst viel. Es ist eher sein Kopf, sein aus dem Ruder gelaufenes Fress-Verlangen, das ihn wirklich stört.

Fettsack versucht über die nächsten Monate noch ein paar Mal, einen Einstieg in die Warrior-Diät zu finden, scheitert aber jedes Mal bereits im Ansatz. Sein Leben geht weiter. Er unterlässt erst mal alle weiteren Versuche.

Fettsack hat ein echtes Problem. Und zieht sich erst mal zurück. Er weiß nicht, was er tun soll, also lässt er es. Fettsack ist kein Freund von Aktionismus. Wenn er es schon nicht ändern kann, will er sich wenigstens nicht davon runterziehen lassen. Sein Gegner ist zu stark. Fettsack ist zu schwach. Zero fucks were given anymore. Man kann nicht immer gewinnen.

Und wie ist Fettsack da nun rausgekommen, fragen Sie?

Ein paar Dinge kamen zusammen:

  1. Fettsack liest gern im Internet. Eines Tages stolperte er über das Buch „The Hungry Brain“, las es und verstand, warum sein Kopf ihm das Leben so schwer machte.
  2. Fettsack war sein Leben zu gemütlich: Er verbrachte seine Abende am liebsten bei DVD und Dosenbier.
  3. Fettsack stellte fest, dass er am liebsten jeden Tag trank.
  4. Am liebsten hätte er den ganzen Tag getrunken. Fettsack bräuchte eigentlich keine anderen Getränke außer Bier.
  5. Fettsack dachte: Das kann doch nicht gut sein.
  6. Vom ständigen Bier und Essen wuchsen Fettsack irgendwann Speck-Titten.
  7. Fettsack dachte: Das kann doch nicht gut sein.
  8. Fettsack dachte: Ein Kerl darf fett sein, aber er darf keine Titten haben!
  9. Fettsack dachte: Ein Kerl darf fett sein, aber er darf nicht schwach sein!
  10. Fettsack dachte: Ein Kerl sollte sich holen, was er will, statt tatenlos zu verschwabbeln!
  11. Zorn keimte in Fettsack auf. Aufbruchsstimmung. Er wurde sich all der Dinge gewahr, die ihn seit einem früheren Leben plagten und die er nur vergessen hatte. Noch immer waren da der ständige Schmerz, noch immer fraß er zu viel und noch immer bewegte er sich so gut wie überhaupt nicht mehr.
  12. Fettsack hatte das Gefühl, sich lange genug zurückgezogen zu haben. Fettsack fühlte sich bereit für „was anderes“.
  13. Die Ohnmacht all seiner früheren Versuche keimte kurzzeitig in ihm auf. Doch dieses Mal schaffte es Fettsack, sie in Wut zu verwandeln. In Zorn. In Energie. Er nutzte sie, um sich aufzuraffen für einen letzten Kampf. Einen Krieg.
  14. Fettsack überlegte sich ganz genau, was seine Probleme waren und was genau er dagegen machen konnte. Er würde Dinge probieren, manche würden funktionieren, manche nicht.
  15. Er nahm sich vor, die Dinge zu ändern, die er ändern konnte und keine Energie an Probleme zu verschwenden, die er erst später lösen können würde. Wenn überhaupt.

Und jetzt in konkret:

Fettsacks Probleme

  1. Er fraß zu viel.
  2. Er hatte Schmerzen.
  3. Er trainierte nicht mehr.

Problem 2. machte ihm Problem 3. unmöglich. In Angriff nehmen konnte er zunächst nur Problem 1. Also tat er es.

Wie Fettsack sein Fressen in den Griff bekam

  1. Er erstellte sich einen Fressplan.
  2. Er schwörte sich, nie wieder Junk anzurühren.
  3. Er fing an, darüber zu schreiben.

Verspürte er den Drang zu fressen, schrieb er darüber oder dachte darüber nach, was er später darüber schreiben würde. Das lenkte ihn von der Lust zu essen ab. Er schwörte, sich eher selbst zu erwürgen als jemals wieder Junk anzurühren. Lieber würde er sterben. Nie wieder sollte Junk es bis in seinen Magen schaffen. Es gibt keine Worte dafür, was Fettsack im ehrlichen, schonungslosen Rückblick für Junk empfand. Junk hatte ihm sein Leben ruiniert und ruinierte es immer noch. Damit war jetzt Schluss.

Junk.

Endete.

Jetzt.

Wie Fettsack seine Probleme 2. und 3. löste

Wegen seiner Schmerzen konnte Fettsack nicht trainieren. Möglicherweise aber konnte er seine Schmerzen durch Training bekämpfen. Fettsack wandelte den ärztlichen Rat in Training um. Möglicherweise waren seine Fußsohlen nicht stark genug, sein Gewicht zu tragen, hieß es von medizinischer Seite, wodurch die Sehnen überstreckt wurden, rissen und sich entzündeten. So was kann man trainieren. Schließlich stand Fettsack ein komplettes Studio zur Verfügung. Schließlich zahlte Fettsack noch immer seinen monatlichen Mitglieds-Beitrag. Schließlich kann man so Studios auch zur Reha nutzen. Schließlich steht da genug an Geräten um. Fettsack überlegte sich etwas und probierte es aus. Er stellte fest, dass die Dinge dadurch nicht schlimmer wurden und machte weiter. Die Bewegung tat ihm gut, auch wenn sie noch nicht viel mit seinem ursprünglichen Training zu tun hatte. Es ging allein darum, es wieder ins Studio zu schaffen. Der Rest war ein Kinderspiel.

Fettsack war wieder „im Geschäft“. Fettsack war zurück im Sattel.

Was dabei rauskam

  • Ungefähr fünf Monate dauerte es, bis Fettsack zum ersten Mal wieder einen Fuß in ein Fitness-Studio setzte. Er hatte bis dahin allein durch sein Fressen fünfzehn Kilo abgenommen. Ohne jeden Sport!
  • Mit Pumpen + Fressen nahm er anschließend noch mal sieben Kilo innerhalb von fünf Wochen ab.
  • Aber das Wichtigste: Er ist nicht mehr fress-süchtig, er trainiert jetzt wieder und hat keine Schmerzen in den Füßen mehr.

Die Schmerzen in seinen Füßen hielten ihn fast zwei Jahre lang nahezu komplett vom Training ab. Dazwischen brachte er es lediglich auf einige wenige gescheiterte und schmerzhafte Versuche.

Überhaupt waren diese zwei Jahre allein von Rückschlägen gekennzeichnet. Sowohl in Sachen Training als auch Ernährung ging alles schief oder wurde sogar konstant noch schlimmer.

Doch Fettsack werdet ihr durch solche Lappalien nicht los. Zwei Jahres seines Lebens, pah! Was ist das schon? Dafür macht er den Scheiß schon viel zu lange. Fettsack hat sie alle kommen und gehen sehen.

Nie in seinem Leben fühlte er sich besser als jetzt.

Genau jetzt.

Und ihr hoffentlich auch.

18 Kommentare zu „Fettarsch aus der Asche: Eine Lebensgeschichte

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