Wozu essen?

Um den Hunger zu bekämpfen.

Um satt zu werden.

Um nicht zu sterben.

Um zu regenerieren.

Um zu leben.

Nicht: Um irgendwas auszugleichen, was in unserem Leben schiefläuft und wir nicht wissen (wollen), was.

Ich hab herausgefunden, warum ich mich mit Junk vollgestopft hab.

Ich hab aus Langeweile gefressen.

Ich habe mein Gegenmittel gefunden.

Denn: Was schreibe ich abends in meinen Blog? Etwa, dass ich mir aus Langeweile mal wieder ’ne ganze Packung Nimm 2 reingeknallt hab? „Nervennahrung“ und solche Ausreden?

Dass ich heut eigentlich weniger essen wollte, mir aber aus irgendwelchen dummen Zufällen mal wieder mehr reingeknallt hab, als eigentlich gut für mich war? So wie’s schon seit Wochen aus „irgendwelchen Gründen“ irgendwie aus dem Ruder läuft?

Dass ich mal wieder „Warrior Diet“ ausprobieren wollte (= nur abends essen), mich aber mittags besinnungslos vollgefressen hab?

Nö, nichts dergleichen mehr.

Wenn man sich vornimmt, was man isst, wann man isst und wieviel man isst, kann man sich innerhalb weniger Tage „entwöhnen“.

Dann geht’s darum, nicht wieder rückfällig zu werden. Rückfällig ist man dann, wenn der Kopf einem vorgaukelt, jetzt ja schon eine ganze Weile sauber gegessen zu haben und sich „zur Feier des Tages“ mal wieder „was zu gönnen“.

Wenn man darauf reinfällt, nennt man das „Rückfall“.

Wenn nicht: Dann hat man seine erste wichtige Prüfung bestanden.

Man muss aber auch wissen, dass noch viele Prüfungen folgen werden. Auf dem nächsten Level der Meisterschaft interessieren einen diesen Prüfungen gar nicht mehr. Man spürt zwar irgendwie, „dass man doch mal wieder …“, aber man gibt ’nen Furz drum. Und auf dem höchsten Level gibt es gar keine Prüfungen mehr. Da geht es dann darum, mit dieser neuen Macht verantwortungsvoll umzugehen. Nicht zu übertreiben.

Möchte gar nicht wissen, wie viele Leute von der Fress-Sucht gleich den nächsten Zug Richtung Mager-Sucht erwischen, ohne sich darüber im Klaren zu sein.

Merke: Your number is one

Sie betrachten sich von ihrer Fress-Sucht therapiert und wollen in einer nicht-idealen Welt überleben lernen?

Okay, so geht’s, falls es mal „was Besonders“ gibt:

Die Frau kocht. „Normales“ Essen. Nicht für so Essbehinderte wie uns, die sich nur noch von Staub und  Fensterkitt ernähren.

Es gibt Pommes. Schnitzel. Krautsalat. Im Ofen schmort schon der Kuchen für den Nachtisch. Dann steht das Zeug vor uns. Pommes, Krautsalat, zwei Schnitzel. Daneben Flasche Mayo.

Normales Essen geht so:

  1. Salz aufe Pommes.
  2. Majo drüber.
  3. Krautsalat inne Schüssel.
  4. Die Frau fragen, ob sie uns ein Schnitzel abnehmen möchte (verneint sie, heben wir es uns für später auf). Ihre Zahl ist ab sofort die „1“.
  5. Teller leeressen.
  6. Immer wieder anständig nach-majonaisieren.
  7. Wenn Teller leer, aufhören zu essen.
  8. Kein Nachtisch.
  9. Auf das im Laufe des Tages immer stärker werdende Sättigungsgefühl achten (oh Sie glauben gar nicht, wie satt Essen ohne Nachtisch macht – und’s wird bei mir mit jeder Minute schlimmer).
  10. Abendessen: Der Augenblick der Entscheidung: Wenn es Ihnen geht wie mir, werden Sie sich noch immer vom Mittagessen pappsatt fühlen. Aber: Der Abend ist noch lang. Essen Sie im Zweifel lieber eine reduzierte Portion statt gar keiner. Nicht dass Sie später vom großen bösen Hunger-Wolf heimgesucht werden und über die Stränge schlagen oder nicht schlafen können, weil Sie spät abends noch gegessen haben.

Also, wenn ich noch fresssüchtig bin, …

… ist der Papst ’n Buddhist.

Festivität.

Buffet.

Kauende Gesichter mit dicken Backen.

Ein Gesicht kaut nicht.

Richtig: ich.

Hab mich die ganze Feier über an Kaffee und Wasser gehalten. Mit Leuten gequatscht. Vorher gut gegessen, abends Haferflocken und der Tag war mein Freund. Wer den ganzen Tag über ’ne Tasse in der Hand hat, macht sich nicht der Abstinenz verdächtig. Und je größer die Gesellschaft, desto weniger fällt man auf.

So einfach geht das.

Brot oder Pizza (was ist schlimmer für dich, wenn ich’s esse)?

„Ess die Pizza“, antworte ich. Ich muss meine innere Stärke testen.

Ja! Die Woche ist rum. Das Wochenende steht vor der Tür. Ich habe mich in meinen Fortschritten die ganze Woche über selbst übertroffen und zur Feier des Tages, gleich um das Wochenende einzuleiten, tut sich eine Gelegenheit auf, einen derben Fehlstart in selbiges hinzulegen.

Denkt vielleicht die Gelegenheit.

Pizza? Pff, Pizza ist nicht mal mehr Nahrung für mich. Ob’s nach Pizza oder Farbe riecht, interessiert mich nicht mehr. Pizza … was ist schon Pizza? Teig mit was drauf. Kann ich gleich ’n Brot essen. Mehl, Wasser, Käse, wo bleiben die Nährstoffe?

Oben drauf?

Das ganze verbruzzelte Zeug? „Form“-Fleisch? „Form“-Schinken? „Vorder“-Irgendwas?

Ach ja: So Zeug ess ich ja sowieso nicht. Ich verpasse also lediglich Teig mit Gemüse obendrauf. Schnelle Kohlehydrate, kein Eiweiß, kein Fett. Kann ich mir gleich schenken.

Soll meine Frau ihre Pizza essen.

Ach nee, da kommt sie ja grade. Hat sich doch ’n Brot gemacht.

Riecht nur leider besser als so ’ne Pizza.

 

Energydrink XXL und vier Kurze

Das nenn ich mal’n Frühstück: Auf dem Weg zur Arbeit komm ich annem Lidl vorbei. Davor steht ’ne Bank. Drauf saß einer, neben sich so ’ne silberne Dose „XXL“-irgendwas, daneben vier Kurze in braunen Fläschchen sauber aufgereiht. Der Mann weiß zu leben, könnte man denken.

Oder auch nicht.

Was bringt einen Menschen dazu, sich morgens um acht so’n Scheiß reinzuziehen?

Vor allem: Möchte gar nicht wissen, wie der Tag kulinarisch für den noch weitergeht. Bleibt der gleich bei Flüssignahrung oder musses zwischendurch auch mal was Festes sein?

Kann der sich was Festes überhaupt leisten? Oder gibt der das gleich lieber für Schnaps aus? Wirklich verhungert sah der jetzt ja nicht aus.

Möchte gar nicht wissen, wie’s mit dem weitergeht. Braucht der nach und nach immer härter, hält der sich irgendwann gleich an den Klaren? Haut der sich irgendwann ganz andres Zeugs rein?

Keine Ahnung?

Ich weiß nur eins:

Ich bin glücklich, dass ich nicht der bin.

Weihnachtsbesuch bei Verwandten. Es war grauenvoll!!!

Der erste längere Urlaub als Ex-Fress-Süchtiger bei Verwandten. Weihnachten. Man hockt zusammen. Man trinkt. Man isst. Die ersten zwei Tage konnte ich an nichts anderes als Essen denken. Wie ’n Junkie. Nein: Schlimmer wie ’n Junkie. Der Ort ist für mich mit Fressen, Fressen, Fressen und Trinken, Trinken, Trinken assoziiert. Ich weiß, in welchen Schränken welche Leckereien auf mich warten.

Und noch schlimmer: Ich weiß, wo das Bier ist!!!

Bisher, seit Jahrzehnten, war der Ablauf immer der selbe: Ich komme an. Erst mal ’n Hefe. Oder zwei. Oder drei. Man hat sich schließlich ’ne ganze Weile lang nicht gesehen. Dann gibt’s Essen. Danach trinkt man weiter. Man hockt zusammen. Eigentlich hockt man nur zusammen und überbrückt die Pausen zwischen den Mahlzeiten mit Bier trinken.

Ich konnte die ersten Tage an nichts als Essen denken. Ständig hatte ich Hunger. Nein, kein Hunger, eher Lust, was zu essen. So wie ich das früher immer hatte.

Und dennoch: Ich habe mich vorzüglich geschlagen. Klar: ’n paar Kekse hab ich gegessen. Ich bitte Sie. Es ist Weihnachten.

Aber: Ich habe nicht einen Tropfen Alkohol angerührt. Ich dürfte allein durch das Bier, dass ich dieses Mal nicht getrunken habe, irgendwas an die 3000 Kalorien eingespart haben. Glühwein gab’s. Eier-Likör gab’s.

Aber nicht für mich.

Gefehlt hat mir nichts. Ich bin nur froh, wieder in meinen persönlichen Fress-Alltag zurückzukehren:

Mein reduziertes Zeug schmeckt mir bedeutend besser.

Soziale Zwänge

Die Frau äußert sich: Zum Frühstück Nüsse statt Brot zu essen, gehe in eine komische Richtung.

Auf Festivitäten keinen Kuchen zu essen, ebenfalls.

Was aber, wenn ich gar keinen Kuchen essen möchte?

Süßkram fehlt mir nicht. Ich fiebere nicht heimlich irgendeinem imaginären Moment entgegen, wo ich mir endlich mal wieder „was gönnen darf“. Ich bin mit meiner „reduzierten“ Ernährung glücklich. Ich möchte gar nicht anders essen. Ich „brauche“ nichts Süßes. Oder Junk. Oder so was. Cheat-day war gestern. Ich mache auch niemandem einen Vorwurf draus, wenn er gern Junk isst. Allein dass ich abgeschworen habe, ist manchen Leuten bereits persönlicher Angriff genug.

Was, wenn ich lieber Nüsse essen möchte, weil

  1. ich so viel guten Nährwert wie möglich aufnehmen möchte (Fett ist einer der wichtigsten Nährstoffe – immer)
  2. ich Nüsse liebe?

Und vor allem: Derartige Bedenken hätten nur dann eine Berechtigung, wenn ich mich irgendwie mangelernähren würde. Hey, ich mache hier jetzt keine übertrieben heftige Diät. Klar, ich habe meine Kalorienzahl reduziert. Aber ich behaupte, mit meiner momentanen Ernährung mehr gute Nährstoffe zu konsumieren als damals, zu Junk-Zeiten, als ich die doppelte Kalorienzahl eingeworfen habe. Viel essen heißt nicht automatisch richtig essen. Wenig essen heißt nicht automatisch falsch essen.

Wenn ich drüber nachdenke, mich während gemeinschaftlicher Festivitäten aus dem gemeinschaftlichen Konsum von Alkohol auszuklinken, ist mein Problem gar nicht, dass ich mir Alkohol irgendwie verkneifen müsste, sondern eher die unterschwellige Erwartungshaltung der restlichen Gäste, sich mal gehen zu lassen und „dazu zu gehören“.

Ich erkenne, dass sich mein Umfeld durch meinen Lebensstil zunehmend angegriffen fühlt. Ich will jetzt gar nicht sagen, dass meine Frau sich Sorgen um mich macht. Sie fühlt sich angegriffen, weil ich all dem, was sie so gerne mal isst, abgeschworen habe. Sie ist ein Genuss-Mensch. Ich bin ein Nicht-Genuss-Mensch. Sie ist emotional-sozial. Ich bin anti-sozial und ein emotionaler Eisklotz. Was sich eigentlich ganz gut ergänzt: Drehen Personen in meinem näheren Umfeld emotional durch oder fühlen sich aufkommenden Problemen nicht gewachsen, bin ich derjenige, der die Ruhe behält. Probleme sind dazu da, angegangen zu werden, nicht um sich verrückt zu machen. Die einzige Frage bei Problemen ist: Was kann ich genau jetzt konkret tun, um das Problem zu lösen? Kann ich nichts tun, isses eh egal.

Ich erkenne zunehmend soziale Zwänge in meinem näheren Umfeld. Das kann jetzt eine gruppen-dynamische Erwartungshaltung sein, das kann sein, dass sich Personen durch mich angegriffen fühlen, das kann sein, dass was weiß ich …

Es wird Zeit, sozialen Zwängen abzuschwören. Soziale Zwänge müssen ein blinder Fleck für mich werden. So wie Junk.

Fragt sich nur noch, wie?