Immer wieder interessant, mit wie viel Unverständnis „normale“ Menschen auf eine saubere Ernährung reagieren

Irgendwie scheinen nicht wenige Leute nicht damit klarzukommen, wenn jemand sich entschieden hat, nur noch gutes, „sauberes“ Zeug zu essen. Irgendwie scheine ich anderen verdächtig vorzukommen, weil ich mich von Sachen ernähre, die andere nicht mal runterkriegen würden.

Noch schlimmer: Mein Essen schmeckt mir auch noch.

Und noch viel schlimmer: Ich möchte gar nichts anderes essen.

Und noch sehr viel schlimmer: Es schmeckt mir sehr viel besser als dieses „Plastik“, was „normale“ Leute in sich reinschaufeln.

Und am allerschlimmsten: Es geht mir auch noch gut dabei. Ich bin im Reinen mit mir.

Ich ergebe mich keinen unausweichlichen Zwängen, denen man sich nun mal ergeben muss, wenn man

  • keine Zeit zum Kochen hat
  • in der Kantine essen „muss“
  • sein Zeug im Laden/Bäcker/Junk-Imbiss kaufen muss.

Leute, ihr „müsst“ das alles nicht hinnehmen.

Ihr müsst diesen ganzen Scheiß nicht essen, der nur darauf ausgelegt ist, gut zu schmecken, der euch dadurch mehr oder weniger „abhängig“ macht und der Leute wie mich deshalb fett macht.

Klar: Die Nahrungsmittel-Industrie und die System-Gastronomie legt es gar nicht darauf an, euch direkt fett oder abhängig zu machen. Nur: Irgendwie muss sie es schaffen, dass ihr halt deren Zeug und nicht das des Mitbewerbers konsumiert. Darum muss die Nahrungsmittel-Industrie und die System-Gastronomie euch „hacken“, indem ihr Essen immer besser schmeckt und eine möglichst hohe Nährstoffdichte besitzt, was unseren Körpern signalisiert, dass sich dieses Essen mehr für uns lohnt als das andere.

Der Effekt ist der gleiche: Was euch am besten schmeckt, hat leider immer auch die meisten Kalorien.

Und darum ist die Pizza auch nicht mehr einfach nur ’ne Pizza, nein: Mittlerweile ist da auch noch Wurst und/oder Käse im Rand. Man hat noch mehr Nährstoff und Geschmack reingepimpt. Darum ist die Pizza mit Wurst-Käse-Rand einfach noch mal pervers geiler als die ohne.

Die Kapazität unserer Mägen ist begrenzt und daher ein schwer umkämpfter Markt.

Sinnvolle Ernährung ist was anderes. Und ich bin halt derjenige, der euch das jeden Tag vormacht. Sorry, kann ich auch nichts dafür.

Aber statt dass ich euch verdächtig vorkomme, solltet ihr euch lieber selber verdächtig vorkommen.

Ihr seid nämlich ganz und gar nicht wehrlos, wenn es um das geht, was ihr esst. Ihr müsst halt einfach einsehen, dass „richtiges“ Essen:

  • euch am Anfang wahrscheinlich nicht so gut schmecken wird
  • dass ihr es am besten selber zubereitet
  • dass ihr plötzlich selber verdächtig werdet
  • und euch dumme Sprüche anhören müsst

Wollt ihr wissen, wie oft in der Woche ich kochen „muss“?

Einmal.

Richtig gelesen: Einmal.

Sonntag abends koche ich meine Bohnen für die ganze Woche. Das ist alles. Ist ’n richtiges Ritual bei mir. Dauert auch gar nicht lange. Man muss auch nicht die ganze Zeit neben dem Topf stehen. Kochen kann das Essen auch ohne mich.

Mir macht das Spaß.

Ich finde das sinnvoll.

Ich habe die Macht, was ich mir antue. In diesem Fall was Gutes.

Auch wenn euch das nie schmecken würde.

Ich esse gern so.

Ich wollte es gar nicht anders.

Ernährung ist so etwas Elementares und unsere Wohlstands-Gesellschaften verkacken bei dem Thema so was von auf ganzer Linie, es macht mich sprachlos:

  • Essen darf nichts kosten
  • Weder Geld
  • Noch Zeit
  • Essen muss nur noch schmecken
  • Essen muss schnell gehen
  • Nährstoffe interessieren keine Sau

Und dabei war Ernährung mal das Thema schlechthin: Vor langer, langer Zeit stand man morgens auf und verbrachte den Rest des Tages mit Nahrungssuche und Nahrungszubereitung. Nahrung war mehr oder weniger der Sinn des Lebens. Nahrung ist die Grundlage für den Fortbestand unserer Art. Wer sich nicht ernährt, verhungert und kann sich nicht mehr fortpflanzen. Diesen Sinn haben wir verloren und ins Gegenteil pervertiert.

Denkt ihr mal lieber drüber nach, was ihr euch da jeden Tag so antut.

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Keep cool

Wollen Sie mal was über die Schattenseiten des Abnehmens wissen?

Man friert sehr schnell.

Zumindest bilde ich mir ein, schneller als früher zu frieren. Na ja, zwanzig Kilo wärmendes Fett weniger ziehen halt nicht spurlos an einem vorbei.

Und es sind immer die Hände und die Füße, die kalt sind. Das ist auch nicht irgend so ’n fließender Übergang, mehr so wie ’n scharfer Schnitt, ab dem die Extremität zu frösteln beginnt.

Das beste Mittel gegen Frieren heißt übrigens Bewegung. Wärme aus Bewegung ist die angenehmste Wärme. Sie hält einen auch noch eine ganze Weile nach der eigentlichen Bewegung warm.

Aber bald darauf friert man dann trotzdem wieder. Schlank und warm scheinen sich irgendwie zu widersprechen.

Sturmfrei

Die Frau verreist übers Wochenende und nimmt die Kinder mit. Jeder normale Mensch würde sich mit ’ner Palette Dosenbier und ’ner Palette Kartoffelchips eindecken. Zumindest war dies der erste Reflex, der sich in meinem von Fress-Sucht verdorbenen Gehirn regte. Dazu noch drei Mahlzeiten pro Tag beim Chinesen um die Ecke und gut is‘.

Nö, nicht für mich. Ich bin nicht mehr normal. Das kann jetzt gut oder schlecht sein. Ein Plan muss her. Unvorbereitet fallen wir nur in unser altes Verhaltensmuster zurück. Unser Kopf will uns weismachen, dass wir diese einmalige Gelegenheit doch unbedingt nutzen müssen. Was das für so Fress-Säcke wie mich heißt, wissen wir ja: Wir müssen diese einmalige Gelegenheit nutzen, um uns mit Junk vollzustopfen. Denn sein Leben genießen bedeutet, sich mit Junk vollzustopfen. Denn Junk ist Genuss. So lautet das eherne Gesetz.

Drauf geschissen. Fick dich, Kopf!

Wir werden noch reduzierter Essen, als wir das ohnehin schon tun. Mittlerweile leb ich eh wie’n Mönch: Asketisch, kein Genuss, eine Handvoll Dinge am Tag. Mehr esse ich nicht. Getränke außer Wasser sind mir unbekannt. Zumindest fast. Abgesehen von Tee und Kaffee.

Also: Was werden wir essen?

Keine Ahnung.

Gut, fragen wir anders herum: Was werden wir nicht essen?

Junk.

Wir werden keinen Junk essen. Natürlich nicht. Junk? Was ist das? Wir werden vielleicht was Schönes essen gehen – eine Portion – und den Rest des Wochenendes vor der Playstation verbringen.

Nein, viel besser: Wir werden auch nichts Schönes essen gehen und gleich das gesamte Wochenende vor der Playstation verbringen!

Na, das klingt doch super.

Nein, noch besser: Wir werden nichts Schönes essen gehen, das gesamte Wochenende vor der Playstation verbringen und zwischendurch Laufen gehen.

Hey, Moment! Ich könnte etwas machen, was ich sonst nie mache:

Ich könnte …

… bei Tageslicht laufen gehen!

Ja!!!

Ich laufe ja normalerweise nur nachts. Anders lässt sich’s nicht einrichten. Andere nennen mich deswegen „ehrgeizig“. Ham die ’ne Ahnung!

Denn:

  1. Lässt es sich zeitlich bei mir nicht anders einrichten bzw. nicht besser einrichten.
  2. Macht das viel mehr Spaß, durch Kälte, Eis und Dunkelheit zu laufen.

Zum Glück weiß das aber niemand, sonst würden das alle machen. Dann hätte ich unterwegs keine Ruhe mehr.

Also: Der Plan ist gefasst. Das Wochenende kann kommen!

Normale Leute essen komische Sachen

Bei „normalen“ Leuten zu Besuch: Ich blicke auf dem Tisch herum und werfe einen Blick auf die Zutatenliste eines beliebigen, herumliegenden Lebensmittels. Zusatzstoff reiht sich an Zusatzstoff. Wo ich an normalen Tagen ziemlich genau fünf Dinge Essen (Mandeln, Bohnen, Mais, Haferflocken, Milch drauf) stecken allein in der Wurst aufs Brot zehn oder mehr Sachen drin.

Ich finde das mittlerweile sehr befremdlich.

Das ist doch keine Nahrung mehr, wenn da so viele Sachen drinstecken. Das ist ein „Produkt“. Es wird produziert. Hergestellt.

Essen wird zubereitet: Topf, zwei, drei Sachen rein, kochen, gut is. „Natürliche“ Zutaten. „Ganze“ Zutaten, möchte ich sagen. Irgendwas was irgendwo wächst. Vom Feld in den Topf. Ohne irgendwelche Zwischenschritte. Na ja, vielleicht noch schälen.

Aber nicht so was: Nitrit-Pökelsalz, Zusatzstoff E112, E120, E124, Rote Beren-Extrakt, Aromen, Rauch-Aroma (enthält xyz).

„Unser“ Essen wird zunehmend pervertiert.

Und „wir“ kaufen diese Scheiße auch noch.

Wir sind schuld: Würden wir’s nicht kaufen, würden die’s nicht mehr herstellen.

Das Leben ist nicht fair – zum Glück

Okay, ich verstehe, wenn jemand gern mal „was nascht“.

Okay, ich verstehe, wenn jemand eine Schwäche für – sagen wir mal – Schokolade hat.

Ich verstehe auch noch, wenn jemand gern mal „über die Stränge schlägt“.

Was ich aber nicht verstehe, ist, wenn Leute ihre Ernährung nicht in den Griff bekommen, die ihre Ernährung im Griff haben müssen. Die keine andere Wahl haben. Leute mit Krankheiten.

Ich denke an Leute mit Erkrankungen irgendwelcher innerer Organe. Im besten Fall überwundener Erkrankungen irgendwelcher innerer Organe. Fragen Sie mich jetzt nicht, wie diese Krankheiten genau heißen oder welche Organe genau betroffen sind, aber es gab da mal vor einiger Zeit einen Fall in meiner Familie, der ziemlich belastend war:

Irgendein Organ einer nahestehenden Person hatte sich auf unnatürliche, ungesunde Art und Weise vergrößert. Es musste operiert werden. Die Chancen, dass operieren was hilft, waren vielleicht nicht nur fünfzigfünfzig, aber im Großen und Ganzen erlebte ich die Zeit damals als eine Zeit des Unkonkreten, des Nicht-Wissens, was überhaupt Sache war, wie schlimm es stand und was die genauen Konsequenzen im schlimmsten Fall sein würden. Man wusste nicht wirklich was, man wusste zwar so Einiges, aber nichts Weiteres.

Ich musste mir also meinen eigenen Reim machen. Drüber reden konnte ich mit nahestehenden Personen nicht, da sie durchgedreht wären und sowieso schon über jedes normales und gesunde Maß emotional aufgekratzt waren. Mein eigener Reim war, dass die Operation mit einer wirklichen und nicht selbstverständlichen Portion Glück möglicherweise was bringen würde, ansonsten würde das Organ anschwillen, bis es platzt, sein Inhalt würde sich in die Bauchhöhle ergießen und die betroffene Person würde daran sterben oder daran, dass sie ohne dieses Organ nicht weiterleben konnte.

Kurz: Es ging um Leben und Tod.

Zumindest in meiner Vorstellung.

Wenn ich nicht einschätzen kann, worum es geht, gehe ich lieber vom Schlimmsten aus. Alle anderen Beteiligten schienen dies lieber nicht so direkt ansprechen zu wollen.

Die Situation war für meine Frau ziemlich belastend wodurch sie für mich ziemlich belastend wurde.

An dieser Stelle spulen wir einmal vor und haben die Operation bereits hinter uns. Alles ist gut verlaufen und die operierte Person hat bereits in ihre alltägliche Normalität zurückgefunden.

Leider auch ernährungstechnisch. Denn: Ich habe irgendwie mitbekommen, dass die Person nach der Operation gezwungen sein würde, sehr auf ihre Ernährung zu achten. Wirklich sehr.

Plötzlich hingen da so Poster in der Küche rum, was wo drin war und vor allem: wie viel. Nur: Diese Person schien das nicht im Geringsten zu interessieren. Sie aß weiter wie immer. Sachen, die sie niemals hätte essen dürfen und das alles in der Hoffnung – wirklich: Hoffnung -, dass alles gut bleiben würde. Denn mehr als hoffen können wir nicht, dass alles so gut bleibt, wie es nun schon seit mehr als zehn Jahren ist. Dass das Organ nicht wieder anschwillt und diese ganze schlimme Zeit wieder von vorne anfängt.

Als ich meine Frau mal darauf ansprach, wie es sein kann, dass jemand „dem Tod von der Schippe gesprungen ist“ und seine Ernährung trotzdem nicht in den Griff bekommt, war es für sie ein völlig legitimes Argument, dass halt nicht jeder die Disziplin besitzt.

Disziplin?

Was hat so was mit Disziplin zu tun?

Es geht um Leben und Tod! Wie viel Motivation braucht diese Person noch?

Wäre das Leben fair, dann …

Ich spare mir den Rest. Bei so was werde ich leider wütend. Es geht nicht um „ein paar Pfunde zu viel“ oder Wohlstandspeck. Es geht nicht um so lapidare Sachen wie Speck-Titten, Schwimm-Ringe, „Love-Handles“, Plauze, Schwabbel, Doppelkinn, Wanne, fetter Hintern, „looking good naked“.

Es geht verdammt noch mal darum, sich nicht ins eigene Grab zu fressen. Es geht darum, die wichtigsten Menschen in seinem Leben davor zu verschonen, Zeuge eines langsamen Siechtums zu werden, das am Ende doch zum Tode führt.

Wer Familie hat, lebt nicht mehr nur für sich: Er lebt für andere.

Ich will nicht wieder von der Diagnose hören, ich will nicht hören, dass das Organ „wieder angefangen hat zu wachsen“, dass wieder operiert wird, wie die Chancen dieses Mal stehen und am Ende war doch alles vergebens.

Da kommen ganz schlimme Gedanken und Gefühle in mir hoch. Wobei ich ehrlich gesagt gar nicht mal weiß, ob ein erneutes Wachsen des Organs so direkt von der Ernährung abhängt: Ich weiß nur, was die Ärzte gesagt haben. Gut möglich, dass es nur darum geht, die Erfolgschancen zu erhöhen. Ein erneutes Wachsen unwahrscheinlicher zu machen.

Was weiß ich überhaupt? Was weiß die Person überhaupt? Was will diese Person überhaupt wissen? Was lässt sie uns wissen?

Fragen über Fragen.

Sie machen es leider nur noch schlimmer …

Perverse Zustände

Kennen Sie noch dieses komische Tier, von dem alle sprechen und das eigentlich jeder loswerden will? Den „Schweinehund“? Ja?

Ich nicht mehr.

Beziehungsweise: Ich kenne ihn mittlerweile andersherum. Hm, wie soll ich es ausdrücken?

Nach dem ganzen

  • Essen, was (anfangs) nicht schmeckt
  • ohne wirklich Hunger zu haben (Hunger ist die beste Sauce, nicht wahr?)
  • Laufen bei Dunkelheit,
  • Kälte,
  • Scheißwetter und
  • sich beim Pumpen zu killen

bin ich mittlerweile so weit, dass mich alles, was „normale“ Menschen von irgendwas abhalten würde – Achtung *Trommelwirbel*:

motiviert.

Yo.

  • Schlechtes Wetter zieht mich magisch an. Erst dann macht mir Joggen richtig Spaß. Erst dann bekomme ich Lust, zu laufen.
  • Der Körper fühlt sich schlapp, schlecht, zu vollgefressen? Juhu! Los geht’s.
  • Der Tag auf Arbeit war scheiße? Danach waren die Kinder auch noch nervig? Ich möchte mich nur noch erholen? Ich freue mich noch mehr darauf, mich zu quälen!
  • Da is’n nerviger, anstrengender Kunde, mit dem keiner der Kollegen mehr reden will? Wo ist mein Telefon?

Ich bin immer da, wo’s wehtut. Alles, was wehtut, zieht mich magisch an. Das zieht sich mittlerweile selbst durch so völlig alltägliche Dinge wie zum Beispiel: Sich in der Firma was zu trinken holen.

Auf der Arbeit kann ich mir meinen Sprudel aus der Küche holen. Oder ich muss am Büro meines fetten Kollegen vorbei und laufe Gefahr, blöd von ihm angequatscht zu werden.

Was mache ich also?

Ich schlurfe natürlich – extra langsam – am Büro meines fetten Kollegens vorbei in der Hoffnung, dass er mich blöd von der Seite anquatscht. Ich wüsste zwar nicht mal, was ich ihm antworten würde – wahrscheinlich würde ich ihm gar nichts antworten, stattdessen bloß irgend so ein psychopathisches Grinsen aufsetzen, das ihn in seinen Träumen verfolgen wird. Das Lächeln eines Wolfes. So ’nen Gesichtsausdruck, den er bei mir „ja noch nie“ bemerkt hat.

Aber auch das macht mich nur noch mehr an. Völlig unvorbereitet mitten rein in die Scheiße. Jau!

Ich suche Konflikt. Reibung. Reibung macht lebendig.

Ich suche: Den Kampf.

Das macht einen nämlich erst so richtig gefährlich: Lieben Sie den Kampf, nicht den Sieg.

Lieben Sie das Hungern, nicht das Dünnsein.

Lieben Sie das Brennen, nicht die Muskeln.

Lieben Sie das Schwitzen, das regelmäßige Training.

Seien Sie stolz auf das Aufraffen, nicht auf die Urkunde an der Wand. Die Urkunde ist nebensächlich. Unvermeidliche Folge unserer Lebenshaltung. Nur für den Fall, dass Klopapier mal alle ist.

Wir schmücken uns nicht mehr mit äußerlichem Tand und Krempel. Wir schmücken uns nicht mehr mit weltlichem Lohn.

Den wahren Lohn – dieses Feuer -, den tragen wir ihn uns. Den kann uns keiner geben. Den kann uns keiner nehmen.

Nur wir selbst.

Bleiben wir dran!

Kein Bock auf Misanthropie II

Sehen wir der Wahrheit ins Gesicht: Es gibt Menschen, die möchten mit mir feiern.

Mit mir Zeit verbringen.

Was Gutes essen.

Was Gutes trinken.

Das Problem: Ich habe weder Bock:

  • Zu feiern.
  • Mit jemandem außer mir selber Zeit zu verbringen.
  • Was „Gutes“ zu essen.
  • Was „Gutes“ zu trinken.

Oder anders formuliert: Was ich als „Gutes“ zu essen oder trinken bezeichne, würden die meisten anderen Leute nicht mal runterkriegen. Dass ich meine Haferflocken nicht einfach pur mit Wasser anrühre, ist auch das einzige Zugeständnis an diese Sache namens „Geschmack“.

Mein gutes Essen wird einem auch von keinem Lieferdienst gebracht. Dafür ist es zu simpel.

Mein gutes Essen ist pro Portion für einen Euro zu haben. Und es macht satt. Und es ist gesund. Und es ist nicht ungesund.

Meine „Gutes“ zu trinken reduziert sich auf Wasser. Vielleicht mal ’nen Tee. Oder ’nen Kaffee. Alles natürlich schwarz ohne Zucker, Süßstoff, Milch oder so’n Scheiß. Bei Wasser sogar egal, ob aus ’nem Wasserhahn, ’ner Flasche oder ausser Regentonne.

Bin ich mit Leuten zusammen, wüsste ich nicht, worüber ich mit ihnen reden sollte. Sie interessieren mich nicht und ich habe sie auch nicht zu interessieren. Ja ja, es ist nicht leicht mit mir. Für mich auch nicht. Aber ich sag halt, wie’s ist.

Das Problem an der ganzen Sache: In einem klaren Moment wie diesem könnte ich auf die Idee kommen, dass diese anderen Menschen, die mich einladen, sich wirklich drüber freuen würden, mit mir Zeit zu verbringen. Der undenkbare Gedanke keimt in mir auf, dass diese Leute einfach nett sind, es gut mit mir meinen.

Gut, übertreiben will ich’s jetzt auch nicht: Es geht jetzt gar nicht darum, Zeit mit genau mir zu verbringen. Es geht darum, dass andere Menschen einfach gern „unter Menschen“ sind. In diesem Fall bin ich halt einer der Menschen, der für ein Treffen zur Verfügung stehen könnte.

Denken die.

Trotzdem zieht sich mir innerlich alles zusammen: Was soll ich da? Rumstehen, blöd in der Gegend rumgucken? Nicken, bis die Leute merken, dass es wirklich nichts gibt, worüber man mit mir reden kann? Bis die Leute merken, dass ich eigentlich nicht den geringsten Bock habe, mit ihnen Zeit zu verbringen? Dass ich die Gesamtsituation eigentlich ziemlich unangenehm oder besser gesagt: beschissen finde?

Allein schon die Vorstellung des Essens: Gibt so Leute, denen ist das „Ambiente“ wichtig. Die Atmosphäre. Das „Interieur“. Meine Güte, manche Leute sollen sogar Wert auf so Sachen wie das Besteck legen. Soll ja Restaurants geben, WO ES PAUSEN ZWISCHEN DEN GÄNGEN GIBT!!!

Pausen!

Wozu Pausen?

Ich bin zum Essen hier. Essen ist eine lästige Pflicht, um den blöden Hunger wegzukriegen. Man wartet schon lange genug, bis das Essen endlich da ist. Man schwitzt Blut und Wasser, dass das Essen endlich kommt und man nicht länger so tun muss, als ob man sich in dieser Gesellschaft wohl fühlen würde.

Da mach ich es mir lieber einfach, stoße alle vor den Kopf und sage:

„Ich hab keine Lust.“

Ein einleitendes „Es tut mir leid, aber …“ wäre gelogen, also lasse ich es gleich weg. Die Fronten sind geklärt.

Es gibt Situationen, in denen kann man keinen Blumentopf gewinnen. Dies ist so eine Situation.

Was wollt ihr mehr?