Alle Macht den Drogen! Oder: Wie ich als kaffeeloser Abstinenzler nach dem ersten Kaffee auf einmal alle Drogen der Welt nehmen wollte

Firma.

Kollege Jehovah kommt zu mir: „Oh, Sie trinken wieder Kaffee.“

„Jepp.“

„Wie lange schon?“

„Dezember.“

„Wie kommt’s, wenn ich fragen darf?“

„Der macht so schön high.“

„So so. Ich bilde mir ja ein, dass ich besser schlafe, seit ich keinen Kaffee mehr trinke.“

„Etwa weil Sie morgens nicht mehr so müde sind?“

„Genau.“

„Soll ich Ihnen sagen, was dagegen hilft?“

Fragender Blick.

„Kaffee.“

Muahahaha!

Ich lache und entferne mich.

Ich bin das Chaos …


Hatte ich schon erzählt, warum ich auf einmal wieder Kaffee getrunken habe?

Weil ich das süße Zeug nicht mehr abkonnte.

„Süßes Zeug“ heißt in dem Fall: Tee.

In der Regel Roibos Vanille. Oder Apfel/Zimt, Ingwer/Orange oder so was. Das schmeckt alles so n bisschen süß. Und wenn man das den ganzen Tag trinkt, wird man des Geschmackes überdrüssig irgendwann.

Ich brauchte einfach mal was anderes. Etwas Pures. Etwas Bitteres.

Ich brauchte: Kaffee!

Schwarz.

Einfach wegen des Geschmacks.

Schwarzer Kaffee schmeckt in erster Linie bitter. Darum mögen ihn die meisten Leute nicht. Meine Kinder, zum Beispiel. Aber grad dieser urtümliche, bittere Geschmack ist es, der beim schwarzen Kaffee das Schöne ist. Es ist ein purer, einfacher Geschmack. Eine Grundgeschmacksrichtung: Bitter.

Noch grundlegender geht gar nicht.

Und was noch so schön am Kaffee ist, ist die Wirkung in der Birne: Kaffee macht gute Laune.

Genau so wie Alkohol.

Und wenn man da mal ne Weile drauf verzichtet, dann merkt man erst, wie „leicht“ das Leben einem vorkommt, wenn man sich so an die legalen „Drogen“ hält.

Und dann will man da leider mehr davon. Man ist ja schließlich bald schon vierzig und bekommt Torschlusspanik: Man möchte im Leben schließlich was erlebt haben und sich gut fühlen und plötzlich stinken Zigaretten gar nicht mehr so schlimm und plötzlich weiß man, warum die Raucher alle rauchen, warum die Kiffer alle kiffen und warum sie recht haben mit dem, was sie tun:

Einfach, weil man sich durch Drogen besser fühlt. Und ab wann sind Drogen eigentlich Drogen und sowieso?

Stop.

Hammertime.

„Sag mal, spinnst du eigentlich? Dein Leben lang wolltest du von Drogen nichts wissen – auch wenn’s dir keiner geglaubt hat, so wie du rumgerannt bist – und jetzt kommst du so an?“

„Ja, nicht wahr: Echt witzig, oder?“

Wobei: Nö. Ich habe zwischenzeitlich keine Drogen eingeworfen und sehe auch nicht ein, warum ich es sollte. Aber dieses oben beschriebene plötzliche Verlangen habe ich wirklich verspürt, nachdem ich wieder mit dem Kaffee anfing. Keine Ahnung, wieso.

Zur Zeit trinke ich so viel Kaffee, dass die allseits beliebte anfängliche Euphorie schon fast in Angstzustände umkippt. Ist wissenschaftlich erwiesen: Bei Leuten mit der entsprechenden genetischen Disposition sorgen bereits mittlere Dosen für Angstsymptome, ab der richtigen Menge sorgt Koffein bei allen Leuten für Angstsymptome:

Die Angstreaktion trat allerdings nur dann auf, wenn die Versuchspersonen eine mittlere Dosis von Koffein zu sich nahmen – nämlich 150 Milligramm, das entspricht in etwa zwei Tassen Kaffee. Bei einer niedrigeren Dosis (50 Milligramm) reagierte keine der Versuchspersonen mit Angst, bei einer hohen Dosis (400 Milligramm) hingegen zeigten alle Versuchspersonen eine erhöhte Ängstlichkeit[..]

Ich denke, mit sieben Tassen sehr starken Kaffees gehöre ich eher zur letzten Gruppe.

Mir reicht das schon, wie Kaffee mein Hirn fickt. Jetzt stellt euch mal vor, ich würde mal ne richtige Droge nehmen – was dann wohl in meiner Birne los wäre?

Ach so: Bevor sich da irgendwer Sorgen macht: Ich finde diese Erfahrung interessant. Und da ich auch weiß, wo’s herkommt und mir Kaffee einfach viel zu gut schmeckt, werde ich mich weiterhin auf diese „interessante“ Erfahrung einlassen. Andere geben nen Haufen Geld aus, um so nen Thrill zu spüren. Ich krieg ihn per Firmen-Kaffeemaschine gratis und werde auch noch bezahlt dafür.

Je nach Wetterlage wird einem Kaffee als gut oder schlecht verkauft. Ich glaube ja eher, dass uns all diese widersprüchlichen Informationen viel mehr krankmachen, als all das, was da irgendwelche Leute herausgefunden haben wollen. Aber was weiß ich schon?

Just my 2 cents.

Merke: Der dritte Kaffee schmeckt immer scheiße. Nach dem fünften geht’s wieder.

Vergesst Sport. Vergesst „gesunde Ernährung“. Vergesst Ernährungswissenschaft. It’s all genetics, Baby!

Sport treiben, du sollst.

Gesund ernähren, du dich sollst.

Damit du länger lebst und dabei gesund bleibst.

Damit du deiner Krankenkasse nicht so lange auf der Tasche liegst.

Weil irgendwer da irgendwas herausgefunden zu haben glaubt.

Aber wisst ihr was: Das ist alles Bullshit!

Vergesst Ernährungswissenschaft. Alles, was die Ernährungswissenschaft herausgefunden zu haben glaubt, ist nicht mehr als heiße Luft. Wer das sagt? Na, die Ernährungswissenschaftler selbst.

Was das Problem ist? Die Ernährungswissenschaft ist (bislang) beobachtungsbasiert. Man beobachtet eine größere Anzahl Leute und schließt von deren Essverhalten auf ihre Lebenserwartung, BMI, Glücksgefühl usw.:

Das Problem bei allen Ernährungsstudien ist die Methodik.[..] Die einzige wirklich gute Studie, mit einer großen Teilnehmerzahl und über acht Jahre hinweg, hat ergeben, dass es völlig egal ist, wie sich die Probanden ernährt haben. Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes – alles gleich. Gerade bei den ernährungsmedizinischen Fragen sind die meisten Studien einfach Wissenschaftsmüll.

Dass beobachtungsbasierte Studien Schwachsinn sind, beweisen die Schweizer: Sie haben den niedrigsten BMI, die höchste Lebenserwartung, die meisten Nobelpreise pro 10 Millionen Einwohner etc., weil sie am meisten Schokolade essen.

Laut beobachtungsbasierter Studie.

„Gesunde Ernährung“? Niemand weiß, was das ist. Zumindest nicht die Leute, die es wissen sollten.

Gemüse und Obst sind gesund? Fünf-am-Tag? Nö. Kriegt ihr bloß Scheißerei von:

Die seit Jahren wiederholte Empfehlung der deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und der jeweils amtierenden Verbraucherschutzministerin fünf Portionen Obst und Gemüse zu verzehren – einschlägig bekannt auch als IN FORM oder 5-am-Tag – mehr geschadet als genutzt.[..] Offensichtlich hat der staatliche Aufruf zu mehr Obst- und Gemüseverzehr für kollektive Verdauungsprobleme gesorgt.

Sport macht schlank?

Nö. Sport macht hungrig. Die wenigsten im Fitness-Studio sehen allzu sportlich aus. Eher das Gegenteil. Es macht auch keiner irgendwelche Fortschritte.

Das Trainer-Personal ernährt sich gesund und sieht darum so sportlich aus?

Ich bitte euch: Die fressen nur vom Lieferdienst. Kuchen essen die. Blechweise. Bonbons. Schüsselweise. Sehe ich jeden Tag. Und solche Leute erzählen euch dann, was ihr essen oder nicht essen müsst, um so schön und schlank wie die zu werden? Pahaha, merkt ihr was?

Merke: Gute Schwimmer haben keinen so tollen Körper vom vielen Schwimmen, sie sind so gute Schwimmer wegen ihres Körpers.

It’s all genetics, Baby!

Ich kenne niemanden, wo ich sagen würde, er ernährt sich gesund und ist deswegen älter geworden. Oder sieht sportlich aus, weil er Sport treibt. Dreiviertel meiner Großeltern hat die Mitte der Neunzig erreicht, ein Viertel starb mit Vierzig oder Fünfzig. Die ham sich alle gleich ernährt, aber nicht besonders gesund. Drei Viertel waren bzw. sind fett, einer war gertenschlank.

Ich kenne niemanden, der früh gestorben ist, weil er sich – nach allgemeiner Auffassung – ungesund ernährt hat oder einen ungesunden Lebenswandel führte.

Ich erlebe allein das Gegenteil. Jeden Tag:

Der dreihundert Kilo Mann, der raucht, den ganzen Tag nur Junk frisst und sich von täglich mehreren Litern Cola ernährt und mit allerbester Laune auf die Sechzig zugeht und nach gängiger Auffassung kaum die Fünfzig hätte erlebt haben dürfen?

Check.

Der Tennis-Funktionär, ein Leben für den Sport, körperlich in Bestform, nur leider Schlaganfall mit Mitte fuffzig und seitdem am Stock?

Check.

Der Onkel, der immer so gesund lebte, jeden Tag Müsli, sein Müsli sogar bei Reisen immer dabei hatte und dann völlig überraschend Hirnschlag und Aus?

Check.

Der Kumpel, dessen Eltern beide im kurzen Abstand an Krebs starben, der die Ärzte darum anbetteln musste, eine Krebsvorsorge-Untersuchung machen „zu dürfen“ und die ihm als Grund für die Untersuchung schließlich „psychologische Schwierigkeiten“ hinschreiben mussten, damit die Krankenkasse die Kosten übernimmt, weil er ja überhaupt (noch) gar nicht zur Risiko-Gruppe gehört und schlank und sportlich ist und … hoppla, da fanden wir ja nen Haufen Zeug, der in ein paar Jahren zu Krebs geworden können worden wäre und wie gut, dass Sie rechtzeitig gekommen sind und der seitdem nur noch predigt:

„Es ist alles Genetik.“

Und alle nicken und pflichten ihm bei und trinken ihr Bier.

So lange sie noch können.

So lange die „Genetics“ uns noch lassen.


Die Welt da draußen ist voller Lügen und bringt uns nicht weiter. Verschwenden wir nicht weiter unsere Aufmerksamkeit daran.

P.S.: Als Bonus: Der Vergleich hier hat mir besonders gut gefallen:

Ich konstruiere Ihnen ein stark vereinfachtes Beispiel: 2001 befragen Forscher 100000 Leute zu ihrem Essverhalten. 2011 zeigt sich bei den dickeren Leuten: Statistisch betrachtet, haben sie häufiger in gefütterten Pantoffeln gefrühstückt als die dünnen. Also lautet die Erkenntnis: „Frühstück in gefütterten Pantoffeln macht dick.“ Das ist absoluter Unsinn. Aber so funktioniert Ernährungswissenschaft: Beobachtungsstudien liefern nur Hinweise und vage Vermutungen für richtiges Essen, aber niemals Beweise. Unsere Gesundheit hängt nicht von einzelnen Lebensmitteln ab, sondern vor allem von unseren Genen, der Umwelt und dem sozialen Gefüge, in dem wir leben.

(Aber bitte nicht als Werbung verstehen! Jeder, der was zu Ernährung schreibt, ist ein Scharlatan.)

2020

Frohes Neues! Das Neueste in Kürze:

  • Ich bin nach 12 Jahren konsequenten Veganismus‘ kein Veganer mehr. Ich bin jetzt Heim-Veganer. Oder nur noch Vegetarier? Oder werde ich bald wieder konsequenter Veganer sein? Keine Ahnung. Auf jeden Fall gerät man dabei in ein ziemliches Dilemma.
  • Ich habe es mir über die Weihnachtsfeiertage ziemlich gutgehen lassen und dabei sechs Kilo zugenommen. Für Zahlenfetischisten: Ich habe mir innerhalb von 17 Tagen einen Kalorienüberschuss von 42.000 Kilo angefressen. Das sind ziemlich genau 2470 Kalorien zu viel. Pro Tag.
  • Aber keine Angst: Ich bin damit wieder normalgewichtig (mitten im BMI). Mein Umfeld freut’s.
  • Allerdings fängt meine Frau mittlerweile an, das Essen vor mir zu verstecken. Sollte mir das zu denken geben?
  • Vergesst „mal n paar Tage über die Stränge schlagen ist schon nicht so schlimm“: Bei mir legt sich da so n Schalter um, wenn ich „mal“ „über die Stränge schlage“. Soll heißen: Entweder ich bin im Hunger-Modus oder ich bin im Fress-Modus. Dazwischen gibt’s nichts und den Schalter umlegen ist verdammt schwer. Dabei nicht zuzunehmen sehe ich als Akt göttlicher Gnade.
  • Ich trinke wieder Unmengen Kaffee. Ich kann keinen Tee mehr sehen.
  • Ich trinke wieder Alkohol.
  • Meine aktuelle Sekundär-Sucht: Lesen. Ich bekomme ein schlechtes Gewissen, wenn ich statt zu lesen überlege, irgend etwas anderes „zur Entspannung“ zu machen. Wie viele Seiten man lesen könnte, würde man statt des zweistündigen Films sein Buch weiterlesen, nicht wahr?
  • Ich bin der verfressenste Mensch, den ich kenne: Sogar mein fetter Kollege schafft es, noch eine rauchen zu gehen, ehe er sich über seinen soeben gelieferten Lieferanten-Fraß hermacht. Ich könnte das nicht: Zu warten, bis das für alle sichtbare Buffet eröffnet wird, grenzt für mich an Folter. Wenn etwas da ist, muss ich es essen. Alles. Und. Sofort.
  • War am Freitag mit nem Kollegen beim All-you-can-eat-Buffet für 10 Euro beim Chinesen. Da man als Heim-Veganer auswärts so ziemlich alles essen darf, würde ich behaupten, allein an Nachtisch 10 Euro verfressen zu haben. Wird sind nach eineinviertel Stunden gegangen, einfach weil die Mittagspause schon längst vorbei war und mein Kollege mir die letzte halbe Stunde eh nur noch beim Eis essen zusehen durfte. Ansonsten hätte ich gleich wieder von vorne anfangen können.

Dazu in Kürze mehr.

„Ich glaub da nich dran“

Fitnessstudio.

Ich habe mein Training soeben absolviert. Ab unter die Dusche. Die Treppe runter zur Umkleide. Hinter mir sagt jemand:

„Darf ich Sie mal was Persönliches fragen?“

Ich drehe mich wortlos um.

„Nun, ich, äh, sehe Sie ja schon ne Weile hier …“

Ich wusste es.

„… und Sie haben ja horrend abgenommen.“

Was auch sonst? Soll ich ihn darüber aufklären, wie „horrend“ ich abgenommen habe? Ersparen wir uns das.

„Darf ich Sie fragen, wie Sie das gemacht haben?“

„Ich hab n Fressplan.“ Nichts anderes.

Mein Gegenüber macht große Augen. „Mehr nicht?“

Kopfschütteln.

„Aber Sie wollen nicht noch dünner werden, nicht?“

„Och, ich nehm wie’s kommt: Ich hab meinen Fressplan, geht’s Gewicht runter, is okay, geht’s nicht mehr runter, is auch okay.“

Er muss lachen. „Ja, aber passen Sie auf – ich hab das auch schon mal gemacht …“

Natürlich. Wer hat das nicht? Was will der mir erzählen? Ich hab das auch schon hinter mir: Zwanzig Kilo runter und fünfundzwanzig Kilo wieder rauf. *)

„… und ich hatte irgendwann das Gefühl, ich kann nur noch Gras und Wasser essen und nehme trotzdem zu.“ Er spricht betont langsam, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen.

Ich zeige mich unbeeindruckt. Ich nicke zwar, doch: „Jaja, ich weiß, aber ich glaub da nich dran.“

Sein Gesicht fällt zusammen, als hätte ich ihm mit nem Hammer ins Gesicht gehauen.

„Ich weiß: Alle denken das. Aber es stimmt nicht.“ Ich erhalte ein unbeholfenes Lächeln zur Antwort. Für die lange Version habe ich leider keine Zeit, ich muss gleich wieder zur Arbeit. Wir verabschieden uns mit ein paar aufmunternden Worten. Und grüßen uns seitdem immer freundlich, wenn wir uns im Studio begegnen.

Netter Mann.


Hier die lange Version:

In ultrakurz: „Jojo-Effekt“ bedeutet, dass die Leute wieder mehr essen.

Da ist kein Punkt, ab dem man plötzlich wieder zunimmt, obwohl man nur noch von Gras und Wasser lebt.

Geht das Gewicht wieder nach oben, essen die Leute schlichtweg mehr als sie verbrauchen.

Würden sie das nicht tun, würde ihr Gewicht sich irgendwann schlicht halten.

Natürlich sieht der Stoffwechsel bei 120 Kilo anders aus als bei sechzig Kilo. Aber wer immer die selbe Energie-Bilanz aufweist („wer immer das gleiche isst“ wäre etwas zu kurz formuliert), würde sein Gewicht so weit reduzieren, bis er es irgendwann nicht mehr reduziert. Energie-Zufuhr und -Verbrauch sind im Gleichgewicht.

„Gleichgewicht“ heißt aber noch lange nicht „Jojo-Effekt“. Jojo-Effekt entsteht erst dann, wenn es wieder zu einem Energie-Überschuss kommt. Sei es durch mehr essen oder weniger Bewegung. Da ich den Einfluss von Bewegung für vernächlassigbar halte bedeutet Jojo-Effekt in erste Linie, dass die Leute ihre Ernährung „schleifen“ lassen. Sie essen einfach wieder mehr. Und werden halt wieder schwerer. Da ist keine große Wissenschaft dahinter.

Die meisten wollen sich das halt nicht eingestehen. „Ich kann machen, was ich will …“, „Meine Gene …“ etc. und hier kommt der offizielle „unique-selling-point“ dieses Blogs: Auch diese Leute haben recht. Denn:

Der Kopf ist schuld, dass diese Leute wieder zunehmen.

Der Kopf treibt die Leute an, wieder mehr zu essen. Der Kopf will halt nicht abnehmen. Evolution und so. Abnehmen ist der Super-GAU für den menschlichen Körper.

Dennoch:

Das Zunehmen liegt am Essen. Würde ihr Kopf diese Leute nicht zum Mehr-Essen verleiten, würden sie nicht wieder zunehmen.

Und der Kopf ist mächtig. Der Kopf ist so mächtig, dass Schwabbel zur weltweiten Epidemie ausartet. Dass Leute verzweifeln, das Abnehmen gar für unmöglich halten. Tod und Verzweiflung bringt er über sie.

*) Hey, wenn du so schlau bist: Warum warst du dann selber mal dünn und bist wieder fett geworden?

Weil ich gefressen hab wie’n Scheunendrescher. Ich konnte aus gesundheitlichen Gründen von heute auf morgen meinem Sport nicht mehr nachgehen, war nicht mehr im seelischen Gleichgewicht und hab mich den ganzen Tag vollgefressen. Mit Schrott. Ich wäre der letzte gewesen, der die erneute Zunahme auf irgendwas anderes als sein Fressen geschoben hätte. Wenn ich mir angucke, was ich gegessen habe, musste ich wieder so zunehmen, wie ich zugenommen habe.

Wenn ich mir angucke, was der Kollege am Tag so verdrückt, wundere ich mich keine Sekunde, dass der bald die dreihundert Kilo Marke sprengen dürfte.

Fettsein liegt am Essen. Es ist so einfach.

Und so schwer.

Ich trank mal wieder nen Kaffee. War scheiße.

[Für undsonstso:]

Daran ist nur meine Mutter schuld: Sie kam uns für ne Woche besuchen und brachte ihren Kaffee mit. Meine Mutter trinkt ihren eigenen Kaffee. Filter-Kaffee. Bei uns gibt’s nur Senseo. Die Frau hat Prinzipien.

Mensch, roch das Zeug gut. „Da könnte man glatt schwach werden“, sagte ich zu meiner Frau. Doch ich wurde nicht schwach.

Erst ein paar Tage später spielte ich so mit dem Gedanken: „Hey, trink doch mal wieder nen Kaffee. Einfach für den Geschmack. Guck doch mal, was passiert, wenn man ne Weile abstinent war. Ob das wirklich stimmt, was du dir einbildest.“

Was hab ich mir noch mal eingebildet?

Irgendwas mit „besser schlafen“, „bessere Stimmung“ und „man ist wacher, wenn man sich nicht mit Kaffee durch den Tag hilft“.

Gesagt, getan. Ab in die Firma, den Knopf gedrückt und die erste „große Tasse“ „sehr kräftigen Aromas“ runtergekippt.

Wie hatte ich gelesen: Das Beste daran, wenn man ne Weile auf Kaffee verzichtet, ist, dass der erste Kaffee danach umso mehr reinknallt.

Ich erwartete ein Feuerwerk. Ein Feuerwerk der guten Laune. Stimmung.

Stattdessen:

Erst mal nichts.

Kommt wohl noch. Warten wir mal ab. Zeit für ne zweite Tasse. Denn: Nach der ersten Tasse krieg ich immer gleich Bock auf die nächste.

Dauerte ne Weile und ich fühlte mich ganz gut. Keine Ahnung, ob’s an der „Chemie“ lag oder einfach nur daran, dass ich mal wieder was Leckeres getrunken hatte. Gleich mal der Frau schreiben. Mal gucken, was die für Augen macht.

„Hey, hab grad nen Kaffee getrunken. Könnte mir auch vorstellen, mal wieder n Bier zu trinken.“

Der Genussmensch war zurückgekehrt.

Die Frau freute sich schon und wollte gleich den Sekt kaltstellen.

Den nächsten Tag trank ich ebenfalls meine zwei, drei Tassen, das ganze Wochenende über hindurch schlürfte ich meinen Kaffee. Bestimmt fünf am Tag. War der Kaffeetrinker etwa wieder zurückgekehrt?

Am ersten Tag dauerte es eine Weile, bis sich meine Stimmung „lichtete“. Nun, um ehrlich zu sein, gab es da gar nicht viel zu lichten. Es ging mir gut. Ich war eigentlich konstant gut drauf. Ja, irgendwann fühlte ich mich wacher, belebter. Gleichzeitig merkte ich, wie ich motorisch ungeschickter wurde, grad weil ich so aufgedreht war. Mein Herz pumpte, dass ich fast das Gefühl hatte, es würde gleich meinen Brustkorb sprengen.

Wird wohl nur der erste Tag sein, dachte ich. Wennde dich erst mal wieder dran gewöhnt hast.

Bereits eine geringe Menge Coffein führt zur Rückfälligkeit.

Wollte ich mich wieder dran gewöhnen? Ich erinnerte mich, dass ich wirklich leichte Kopfschmerzen verspürte, als ich mit dem Kaffee aufhörte. Eine bekannte Entzugserscheinung.

Als ich am Wochenende mal wieder im Biergarten war, drehten sich meine Gedanken nur noch um Kaffee und Bier. Irgendwie seltsam. Wobei: Ich hätte doch ruhig nen Kaffee trinken können. Ich „durfte“ ja wieder.

Als ich am nächten Montag erwachte, freute ich mich schon auf die erste Tasse Kaffee. Wobei: „Freuen“ ist ziemlich untertrieben. Ich konnte es kaum erwarten, mir nen Kaffee reinzuknallen. Ich konnte an nichts anderes denken, als mir nen Kaffee reinzuknallen. Ich hatte Bock darauf, diese Müdigkeit einfach abzuschütteln, die mich plagte. Und ich freute mich schon drauf, gleich wieder guter Laune zu sein, weil …

… irgendwie war ich das grad nicht.

Ich war so schlecht drauf wie schon lange nicht mehr. Ich war nur noch einen Kaffee von der Wachheit und der guten Laune entfernt.

Das kam mir ziemlich befremdlich vor.

Na gut, wird wohl Zeit für den zweiten Teil des Experiments: Man kann mit Kaffee jederzeit wieder „aufhören“. Kaffee-Sucht ist sowieso umstritten. Lass den Kaffee einfach wieder weg und schau, was passiert.

War ganz schön anstrengend: Ich konnte an nichts anderes als die paar Meter zur Kaffeemaschine denken. Daran, wie schön es wäre, sich zwei, drei, fünf Tassen dahinterzuhauen.

Ich wollte aber nicht die ganze Zeit nur an Kaffee denken. Allein, dass ich die ganze Zeit an Kaffee denken musste, schien mir verdächtig.

Darüber hinaus war ich so müde wie schon lange nicht mehr. Aktuell fröne ich meiner Videospiel-Sucht in vollen Zügen. Da werden die Nächte schon mal kürzer. Wenn ich dann aber mal wach bin, bin ich wach.

Nicht so jetzt. Ich war sooo müde. So verdammt müüüde …

(Tag zwei ohne Kaffe sollte noch schlimmer werden …)

Ich zog die Reißleine und sagte mir: Heute kein‘ Kaffee.

Ich kam mir vor wie der letzte Junkie.

Zeit, sich zu verabschieden.

Tag zwei ohne Kaffee war gleich noch mal so hart. Ich war sooo müüüde …

Heute ist der dritte Tag und ich bin wohl wieder drüber weg. Leider komme ich zu folgenden Erkenntnissen:

  • Mit Kaffee geht’s mir gut: Heißt aber leider im Umkehrschluss auch: Ohne Kaffee geht’s mir schlecht. Trinke ich Kaffee und dann keinen mehr, falle ich in ein tiefes Loch voller schlechter Laune.
  • Ohne Kaffee werde ich nicht mehr wach: Trinke ich Kaffee und lasse ihn dann weg, werde ich nicht mehr wach. Ich bin total übermüdet. Den ganzen Tag lang. Ohne Kaffee habe ich den ganzen Tag lang ein gleichbleibendes Energie-Level (wenn ich erstmal wach bin – wach werden ist immer noch so ne Geschichte).

Schätze, beim Kaffee ist es wie mit den Drogen: Manche (ich) können einfach nicht damit umgehen.

Das Gleiche gilt übrigens auch für Alkohol: Auf Alkohol erlebe ich ein Stimmungshoch. Alles, was danach kommt, ist nur noch ein Stimmungstief. Entweder oder. Es gibt bei mir nichts dazwischen. Darum habe ich mit dem Zeug vor knapp nem Jahr aufgehört. Lass es am besten gleich bleiben.

Nach meiner Bruchlandung mit Kaffee hab ich erst mal keine Ambitionen mehr in die Richtung, mal wieder n Bier zu trinken.

Es geht mir gut, so – abstinent – wie ich bin. Warum sollte ich was ändern?

Wie ich zur Zeit esse

Hallo allerseits!

Still geworden ist es hier die letzte Zeit. Der Blog war irgendwann mehr Last als Lust. Warum sollte ich das mir und den geschätzten Lesern antun?

Untätig bzw. vom Weg abgekommen bin ich trotzdem nicht: Habe ein weiteres Kilo verloren, was dann insgesamt – von kurzfristigen Schwankungen mal abgesehen – eine Gewichtsabnahme von -32 kg macht.

Hier mal der aktuelle Fressplan:

Frühstück: 619 kcal

  • 100 g Mandeln (619 kcal)

Mittag: 475 kcal

  • 300 g Bohnen (333 kcal)
  • 171 g Dosen-Mais (142 kcal)

Abend: 500 kcal

  • 100 g Haferflocken (374 kcal)
  • 300 ml Hafermilch (126 kcal)

Macht schon mal: 1594 kcal.

Dazu gesellen sich noch – und das ist die große Änderung:

  • ca. 1 kg rohes Gemüse (~ 300 kcal)

Macht also irgendwas so um die 1894 kcal am Tag.

Weiterhin gilt:

  • Kein Kaffee
  • Kein Alkohol
  • Kein Junk

Ja, liebe Leute: Ich lebe den Traum: Große Mengen essen und trotzdem abnehmen. Das Leben kann so einfach sein.

Ich schlittere da schon wieder in was rein

Abgenommen.

Erfolgreich.

Was jetzt?

Na: Die Zügel etwas lockerer lassen.

Das Problem: Das klappt leider nicht. Wir verlieren schnell mal wieder die Kontrolle über das, was wir essen wollten und dem, was am Ende des Tages dabei zusammenkommt.

Das Fressen nach Fressplan ist dabei Teil des Problems:

Wer seine Nährstoffe und Kalorien auf drei Mahlzeiten verteilt, isst möglicherweise mehr, als er zu dieser Tageszeit normalerweise essen würde.

Ich habe mein Leben lang quasi nie gefrühstückt.

Jetzt knalle ich mir morgens entweder nen Haufen Erdnussbutter oder ne zünftige Ladung Mandeln rein. Meine größte Mahlzeit esse ich, wenn ich am wenigsten Hunger habe.

Und abends lose ich grade immer ab, weil ich zu dieser Zeit am meisten Lust zu essen habe. Keine Ahnung, woran das liegt. Aber sich vorzunehmen, abends nur Haferflocken oder Mandeln/Erdnussbutterbrot zu essen ist jetzt schon zwei Tage in Folge schief gelaufen.

Zwei Tage scheinen nicht viel, aber sie sind der Anfang.

Und ich schaufle mir auch keinen Junk oder übertriebene Mengen rein. Nur lauter gutes Zeugs. Aber ich bemerke schon wieder den Kontrollverlust. Und darum geht es.

Es geht nicht darum, ob ich mir viel zu viel oder nur ein bisschen mehr oder ob ich mir gutes oder schlechtes Zeuch reingestopft habe. Es geht um Kontrolle.

Mein Kopf fängt schon wieder an, mich zu all den kleinen gesunden „Sünden“ und Leckereien zu verführen. Klar: Andere wären froh, wenn sie so sauber essen würden. Aber die Menge gerät mir außer Kontrolle.

Was dagegen hilft: Drüber schreiben. Habe ich hiermit getan. Beobachten. Wachsam sein. Ein neues Ziel definieren. Was soll das Ziel sein? Was will ich ändern. Was will ich erreichen?

Zeit, für einen Tapetenwechsel, schätze ich. Einfach mal was Neues ausprobieren.

Wir werden sehen.