„Ich glaub da nich dran“

Fitnessstudio.

Ich habe mein Training soeben absolviert. Ab unter die Dusche. Die Treppe runter zur Umkleide. Hinter mir sagt jemand:

„Darf ich Sie mal was Persönliches fragen?“

Ich drehe mich wortlos um.

„Nun, ich, äh, sehe Sie ja schon ne Weile hier …“

Ich wusste es.

„… und Sie haben ja horrend abgenommen.“

Was auch sonst? Soll ich ihn darüber aufklären, wie „horrend“ ich abgenommen habe? Ersparen wir uns das.

„Darf ich Sie fragen, wie Sie das gemacht haben?“

„Ich hab n Fressplan.“ Nichts anderes.

Mein Gegenüber macht große Augen. „Mehr nicht?“

Kopfschütteln.

„Aber Sie wollen nicht noch dünner werden, nicht?“

„Och, ich nehm wie’s kommt: Ich hab meinen Fressplan, geht’s Gewicht runter, is okay, geht’s nicht mehr runter, is auch okay.“

Er muss lachen. „Ja, aber passen Sie auf – ich hab das auch schon mal gemacht …“

Natürlich. Wer hat das nicht? Was will der mir erzählen? Ich hab das auch schon hinter mir: Zwanzig Kilo runter und fünfundzwanzig Kilo wieder rauf. *)

„… und ich hatte irgendwann das Gefühl, ich kann nur noch Gras und Wasser essen und nehme trotzdem zu.“ Er spricht betont langsam, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen.

Ich zeige mich unbeeindruckt. Ich nicke zwar, doch: „Jaja, ich weiß, aber ich glaub da nich dran.“

Sein Gesicht fällt zusammen, als hätte ich ihm mit nem Hammer ins Gesicht gehauen.

„Ich weiß: Alle denken das. Aber es stimmt nicht.“ Ich erhalte ein unbeholfenes Lächeln zur Antwort. Für die lange Version habe ich leider keine Zeit, ich muss gleich wieder zur Arbeit. Wir verabschieden uns mit ein paar aufmunternden Worten. Und grüßen uns seitdem immer freundlich, wenn wir uns im Studio begegnen.

Netter Mann.


Hier die lange Version:

In ultrakurz: „Jojo-Effekt“ bedeutet, dass die Leute wieder mehr essen.

Da ist kein Punkt, ab dem man plötzlich wieder zunimmt, obwohl man nur noch von Gras und Wasser lebt.

Geht das Gewicht wieder nach oben, essen die Leute schlichtweg mehr als sie verbrauchen.

Würden sie das nicht tun, würde ihr Gewicht sich irgendwann schlicht halten.

Natürlich sieht der Stoffwechsel bei 120 Kilo anders aus als bei sechzig Kilo. Aber wer immer die selbe Energie-Bilanz aufweist („wer immer das gleiche isst“ wäre etwas zu kurz formuliert), würde sein Gewicht so weit reduzieren, bis er es irgendwann nicht mehr reduziert. Energie-Zufuhr und -Verbrauch sind im Gleichgewicht.

„Gleichgewicht“ heißt aber noch lange nicht „Jojo-Effekt“. Jojo-Effekt entsteht erst dann, wenn es wieder zu einem Energie-Überschuss kommt. Sei es durch mehr essen oder weniger Bewegung. Da ich den Einfluss von Bewegung für vernächlassigbar halte bedeutet Jojo-Effekt in erste Linie, dass die Leute ihre Ernährung „schleifen“ lassen. Sie essen einfach wieder mehr. Und werden halt wieder schwerer. Da ist keine große Wissenschaft dahinter.

Die meisten wollen sich das halt nicht eingestehen. „Ich kann machen, was ich will …“, „Meine Gene …“ etc. und hier kommt der offizielle „unique-selling-point“ dieses Blogs: Auch diese Leute haben recht. Denn:

Der Kopf ist schuld, dass diese Leute wieder zunehmen.

Der Kopf treibt die Leute an, wieder mehr zu essen. Der Kopf will halt nicht abnehmen. Evolution und so. Abnehmen ist der Super-GAU für den menschlichen Körper.

Dennoch:

Das Zunehmen liegt am Essen. Würde ihr Kopf diese Leute nicht zum Mehr-Essen verleiten, würden sie nicht wieder zunehmen.

Und der Kopf ist mächtig. Der Kopf ist so mächtig, dass Schwabbel zur weltweiten Epidemie ausartet. Dass Leute verzweifeln, das Abnehmen gar für unmöglich halten. Tod und Verzweiflung bringt er über sie.

*) Hey, wenn du so schlau bist: Warum warst du dann selber mal dünn und bist wieder fett geworden?

Weil ich gefressen hab wie’n Scheunendrescher. Ich konnte aus gesundheitlichen Gründen von heute auf morgen meinem Sport nicht mehr nachgehen, war nicht mehr im seelischen Gleichgewicht und hab mich den ganzen Tag vollgefressen. Mit Schrott. Ich wäre der letzte gewesen, der die erneute Zunahme auf irgendwas anderes als sein Fressen geschoben hätte. Wenn ich mir angucke, was ich gegessen habe, musste ich wieder so zunehmen, wie ich zugenommen habe.

Wenn ich mir angucke, was der Kollege am Tag so verdrückt, wundere ich mich keine Sekunde, dass der bald die dreihundert Kilo Marke sprengen dürfte.

Fettsein liegt am Essen. Es ist so einfach.

Und so schwer.

Ich trank mal wieder nen Kaffee. War scheiße.

[Für undsonstso:]

Daran ist nur meine Mutter schuld: Sie kam uns für ne Woche besuchen und brachte ihren Kaffee mit. Meine Mutter trinkt ihren eigenen Kaffee. Filter-Kaffee. Bei uns gibt’s nur Senseo. Die Frau hat Prinzipien.

Mensch, roch das Zeug gut. „Da könnte man glatt schwach werden“, sagte ich zu meiner Frau. Doch ich wurde nicht schwach.

Erst ein paar Tage später spielte ich so mit dem Gedanken: „Hey, trink doch mal wieder nen Kaffee. Einfach für den Geschmack. Guck doch mal, was passiert, wenn man ne Weile abstinent war. Ob das wirklich stimmt, was du dir einbildest.“

Was hab ich mir noch mal eingebildet?

Irgendwas mit „besser schlafen“, „bessere Stimmung“ und „man ist wacher, wenn man sich nicht mit Kaffee durch den Tag hilft“.

Gesagt, getan. Ab in die Firma, den Knopf gedrückt und die erste „große Tasse“ „sehr kräftigen Aromas“ runtergekippt.

Wie hatte ich gelesen: Das Beste daran, wenn man ne Weile auf Kaffee verzichtet, ist, dass der erste Kaffee danach umso mehr reinknallt.

Ich erwartete ein Feuerwerk. Ein Feuerwerk der guten Laune. Stimmung.

Stattdessen:

Erst mal nichts.

Kommt wohl noch. Warten wir mal ab. Zeit für ne zweite Tasse. Denn: Nach der ersten Tasse krieg ich immer gleich Bock auf die nächste.

Dauerte ne Weile und ich fühlte mich ganz gut. Keine Ahnung, ob’s an der „Chemie“ lag oder einfach nur daran, dass ich mal wieder was Leckeres getrunken hatte. Gleich mal der Frau schreiben. Mal gucken, was die für Augen macht.

„Hey, hab grad nen Kaffee getrunken. Könnte mir auch vorstellen, mal wieder n Bier zu trinken.“

Der Genussmensch war zurückgekehrt.

Die Frau freute sich schon und wollte gleich den Sekt kaltstellen.

Den nächsten Tag trank ich ebenfalls meine zwei, drei Tassen, das ganze Wochenende über hindurch schlürfte ich meinen Kaffee. Bestimmt fünf am Tag. War der Kaffeetrinker etwa wieder zurückgekehrt?

Am ersten Tag dauerte es eine Weile, bis sich meine Stimmung „lichtete“. Nun, um ehrlich zu sein, gab es da gar nicht viel zu lichten. Es ging mir gut. Ich war eigentlich konstant gut drauf. Ja, irgendwann fühlte ich mich wacher, belebter. Gleichzeitig merkte ich, wie ich motorisch ungeschickter wurde, grad weil ich so aufgedreht war. Mein Herz pumpte, dass ich fast das Gefühl hatte, es würde gleich meinen Brustkorb sprengen.

Wird wohl nur der erste Tag sein, dachte ich. Wennde dich erst mal wieder dran gewöhnt hast.

Bereits eine geringe Menge Coffein führt zur Rückfälligkeit.

Wollte ich mich wieder dran gewöhnen? Ich erinnerte mich, dass ich wirklich leichte Kopfschmerzen verspürte, als ich mit dem Kaffee aufhörte. Eine bekannte Entzugserscheinung.

Als ich am Wochenende mal wieder im Biergarten war, drehten sich meine Gedanken nur noch um Kaffee und Bier. Irgendwie seltsam. Wobei: Ich hätte doch ruhig nen Kaffee trinken können. Ich „durfte“ ja wieder.

Als ich am nächten Montag erwachte, freute ich mich schon auf die erste Tasse Kaffee. Wobei: „Freuen“ ist ziemlich untertrieben. Ich konnte es kaum erwarten, mir nen Kaffee reinzuknallen. Ich konnte an nichts anderes denken, als mir nen Kaffee reinzuknallen. Ich hatte Bock darauf, diese Müdigkeit einfach abzuschütteln, die mich plagte. Und ich freute mich schon drauf, gleich wieder guter Laune zu sein, weil …

… irgendwie war ich das grad nicht.

Ich war so schlecht drauf wie schon lange nicht mehr. Ich war nur noch einen Kaffee von der Wachheit und der guten Laune entfernt.

Das kam mir ziemlich befremdlich vor.

Na gut, wird wohl Zeit für den zweiten Teil des Experiments: Man kann mit Kaffee jederzeit wieder „aufhören“. Kaffee-Sucht ist sowieso umstritten. Lass den Kaffee einfach wieder weg und schau, was passiert.

War ganz schön anstrengend: Ich konnte an nichts anderes als die paar Meter zur Kaffeemaschine denken. Daran, wie schön es wäre, sich zwei, drei, fünf Tassen dahinterzuhauen.

Ich wollte aber nicht die ganze Zeit nur an Kaffee denken. Allein, dass ich die ganze Zeit an Kaffee denken musste, schien mir verdächtig.

Darüber hinaus war ich so müde wie schon lange nicht mehr. Aktuell fröne ich meiner Videospiel-Sucht in vollen Zügen. Da werden die Nächte schon mal kürzer. Wenn ich dann aber mal wach bin, bin ich wach.

Nicht so jetzt. Ich war sooo müde. So verdammt müüüde …

(Tag zwei ohne Kaffe sollte noch schlimmer werden …)

Ich zog die Reißleine und sagte mir: Heute kein‘ Kaffee.

Ich kam mir vor wie der letzte Junkie.

Zeit, sich zu verabschieden.

Tag zwei ohne Kaffee war gleich noch mal so hart. Ich war sooo müüüde …

Heute ist der dritte Tag und ich bin wohl wieder drüber weg. Leider komme ich zu folgenden Erkenntnissen:

  • Mit Kaffee geht’s mir gut: Heißt aber leider im Umkehrschluss auch: Ohne Kaffee geht’s mir schlecht. Trinke ich Kaffee und dann keinen mehr, falle ich in ein tiefes Loch voller schlechter Laune.
  • Ohne Kaffee werde ich nicht mehr wach: Trinke ich Kaffee und lasse ihn dann weg, werde ich nicht mehr wach. Ich bin total übermüdet. Den ganzen Tag lang. Ohne Kaffee habe ich den ganzen Tag lang ein gleichbleibendes Energie-Level (wenn ich erstmal wach bin – wach werden ist immer noch so ne Geschichte).

Schätze, beim Kaffee ist es wie mit den Drogen: Manche (ich) können einfach nicht damit umgehen.

Das Gleiche gilt übrigens auch für Alkohol: Auf Alkohol erlebe ich ein Stimmungshoch. Alles, was danach kommt, ist nur noch ein Stimmungstief. Entweder oder. Es gibt bei mir nichts dazwischen. Darum habe ich mit dem Zeug vor knapp nem Jahr aufgehört. Lass es am besten gleich bleiben.

Nach meiner Bruchlandung mit Kaffee hab ich erst mal keine Ambitionen mehr in die Richtung, mal wieder n Bier zu trinken.

Es geht mir gut, so – abstinent – wie ich bin. Warum sollte ich was ändern?

Wie ich zur Zeit esse

Hallo allerseits!

Still geworden ist es hier die letzte Zeit. Der Blog war irgendwann mehr Last als Lust. Warum sollte ich das mir und den geschätzten Lesern antun?

Untätig bzw. vom Weg abgekommen bin ich trotzdem nicht: Habe ein weiteres Kilo verloren, was dann insgesamt – von kurzfristigen Schwankungen mal abgesehen – eine Gewichtsabnahme von -32 kg macht.

Hier mal der aktuelle Fressplan:

Frühstück: 619 kcal

  • 100 g Mandeln (619 kcal)

Mittag: 475 kcal

  • 300 g Bohnen (333 kcal)
  • 171 g Dosen-Mais (142 kcal)

Abend: 500 kcal

  • 100 g Haferflocken (374 kcal)
  • 300 ml Hafermilch (126 kcal)

Macht schon mal: 1594 kcal.

Dazu gesellen sich noch – und das ist die große Änderung:

  • ca. 1 kg rohes Gemüse (~ 300 kcal)

Macht also irgendwas so um die 1894 kcal am Tag.

Weiterhin gilt:

  • Kein Kaffee
  • Kein Alkohol
  • Kein Junk

Ja, liebe Leute: Ich lebe den Traum: Große Mengen essen und trotzdem abnehmen. Das Leben kann so einfach sein.

Ich schlittere da schon wieder in was rein

Abgenommen.

Erfolgreich.

Was jetzt?

Na: Die Zügel etwas lockerer lassen.

Das Problem: Das klappt leider nicht. Wir verlieren schnell mal wieder die Kontrolle über das, was wir essen wollten und dem, was am Ende des Tages dabei zusammenkommt.

Das Fressen nach Fressplan ist dabei Teil des Problems:

Wer seine Nährstoffe und Kalorien auf drei Mahlzeiten verteilt, isst möglicherweise mehr, als er zu dieser Tageszeit normalerweise essen würde.

Ich habe mein Leben lang quasi nie gefrühstückt.

Jetzt knalle ich mir morgens entweder nen Haufen Erdnussbutter oder ne zünftige Ladung Mandeln rein. Meine größte Mahlzeit esse ich, wenn ich am wenigsten Hunger habe.

Und abends lose ich grade immer ab, weil ich zu dieser Zeit am meisten Lust zu essen habe. Keine Ahnung, woran das liegt. Aber sich vorzunehmen, abends nur Haferflocken oder Mandeln/Erdnussbutterbrot zu essen ist jetzt schon zwei Tage in Folge schief gelaufen.

Zwei Tage scheinen nicht viel, aber sie sind der Anfang.

Und ich schaufle mir auch keinen Junk oder übertriebene Mengen rein. Nur lauter gutes Zeugs. Aber ich bemerke schon wieder den Kontrollverlust. Und darum geht es.

Es geht nicht darum, ob ich mir viel zu viel oder nur ein bisschen mehr oder ob ich mir gutes oder schlechtes Zeuch reingestopft habe. Es geht um Kontrolle.

Mein Kopf fängt schon wieder an, mich zu all den kleinen gesunden „Sünden“ und Leckereien zu verführen. Klar: Andere wären froh, wenn sie so sauber essen würden. Aber die Menge gerät mir außer Kontrolle.

Was dagegen hilft: Drüber schreiben. Habe ich hiermit getan. Beobachten. Wachsam sein. Ein neues Ziel definieren. Was soll das Ziel sein? Was will ich ändern. Was will ich erreichen?

Zeit, für einen Tapetenwechsel, schätze ich. Einfach mal was Neues ausprobieren.

Wir werden sehen.

Schlank sein muss reichen

Ich weiß nicht, ob jemand hier das anders sieht, aber: Wer dauerhaft schlank sein möchte, für den gibt es kein Zurück mehr.

Sonst wird er wieder fett.

Noch fetter als vorher.

Nur damit wir uns richtig verstehen.

Warum ich das schreibe: Immer wieder hört man von Leuten, die fett waren, dann dünn wurden und danach wieder fett. Meist sogar noch fetter als vorher.

Daraus schließt man dann, dass Diäten nichts bringen bzw.: Diäten machen fett.

Nun, dabei ist die Erklärung doch so einfach (und gleichzeitig so schwer):

Eine Diät kann nur so lange wirken, wie sie eingehalten wird. Kehrt jemand in seine frühere Ernährung zurück, kehrt er auch in seiner früheren körperlichen Ausmaße zurück. Plus Reserve. Denn: Unser Körper will niemals nicht Gewicht verlieren. Gewicht verlieren ist für ihn der Super-GAU. Es gibt für ihn nichts Schlimmeres, als Gewicht zu verlieren. Wir könnten ja verhungern. Darum packt der eine Reserve oben drauf. Und manipuliert unsere Köpfe auf alle erdenklichen Arten. Und unseren Stoffwechsel.

Ich sage es immer wieder: Wer nach dem Abnehmen wieder fett wird, ist schlichtweg normal. Unsere Körper ticken so. Die sollen so ticken. Das soll so passieren. Dagegen kommt man nicht an. Evolution und so.

Für unseren Körper ist es wichtiger, nicht zu verhungen als auf das Cover der nächsten Vogue zu kommen.

Unser Körper vermutet hinter jeder Ecke den Hungertod. Muss(te) er auch in einer feindlichen, gefährlichen Welt, in die er noch vor wenigen tausend Jahren geworfen wurde.

Darum gibt es nur sehr wenige Menschen, die nach dem Abnehmen ihr Gewicht mehr oder weniger halten können.

Das Einzige, was hilft, um dauerhaft dünn zu bleiben: Weitermachen. Auf seine Ernährung achten. Gegebenenfalls anpassen. Ein Leben lang.

Gar nicht mehr um abzunehmen.

Schlank bleiben muss reichen.

So’n Blog

Ich vergesse meine eigenen Tipps.

Keine Ahnung, wo ich den wieder versteckt habe, aber irgendwo schrub ich:

  • Statt zu fressen: Schreiben Sie einen Blog-Artikel.

Da liegt er in der Schublade und wartet auf mich. Denn ich habe einen Fehler begangen: Ich habe Eiweiß-Riegel gebunkert, statt heute Morgen nur einen einzelnen in den Rucksack zu packen. Ich habe einen weiteren Tipp von mir vergessen. Ich habe gegen mein eigenes Gesetz verstoßen und jetzt kriecht Mephisto aus seinem Loch.

Meine Birne fackelt ein Fressreflex-Motivations-Gewitter ab, denn es kommen gleich mehrere Faktoren zusammen (ich sehe schon: Mephisto fährt schwere Geschütze auf):

  • Ich habe bereits zwei Riegel verdrückt. Jetzt ist sowieso alles egal. (Merke: Es ist niemals alles egal.)
  • Ich trinke grad einen Tee. Nichts auf der Welt würde jetzt besser dazu passen, als diesen Riegel zu essen. (Hab ich mir beim zweiten Riegel auch schon eingebildet.)
  • Es ist der letzte. Wenn ich ihn jetzt nicht esse, verschwindet er und in Afrika sterben Kinder.

Aber jetzt weiß ich: Das Ding hat keine Chance. Ich werde es nicht essen. Weil ich darüber geschrieben habe. Weil ich diesen Artikel geschrieben habe.

So’n Blog kann einem bei so was ganz schön behilflich sein.

Kaffee – War da was?

Ich erkläre meine Kaffee-Gewohnheit für überwunden (Kaffee-„Sucht“ erscheint mir ein paar Nummern zu groß – wir wollen nicht immer gleich von „Sucht“ sprechen).

Wann ist eine Gewohnheit überwunden?

Wenn Situationen keine Gewohnheitsreflexe mehr auslösen.

Sie brauchen morgens erst mal ne Tasse Kaffee, ansonsten sind Sie zu nichts zu gebrauchen?

Gewohnheit.

Ihr Körper/Kopf ist gewohnt, morgens erst mal mit ner Tasse Kaffee in den Tag geschubst zu werden.

Während meiner Fresssucht habe ich auf Stress auf der Arbeit mit unbändigem Heißhunger auf Döner reagiert. Ich konnte an nichts anderes denken, als mittags in nen Döner zu beißen.

Und wie komme ich jetzt drauf, meine Kaffee-Gewohnheit überwunden zu haben?

Es ist Sommer. Es ist heiß. Man schläft erst sehr spät, weil es zu heiß zum Schlafen ist. Man wacht morgens auf, ist müde …

… und mein Kopf denkt nicht mal drüber nach, sich einen Kaffee einzuverleiben. Kaffee spielt keine Rolle mehr.

Ich habe Kaffee „vergessen“. Genau so, wie ich all die Fressflexe „vergessen“ habe.

Man ist halt mal müde, wenn man abends erst spät ins Bett geht.

Aber wenn man mal ne Weile auf Kaffee verzichtet hat, kommt man da auch relativ schnell wieder von selber raus. Das ist nicht diese Müdigkeits-Total-Zerstörung, aus der uns nur n heftiger Kaffee herausführen kann. Das ist einfach stinknormale Müdigkeit.

Da unser Schlaf ohne Kaffee besser ist, sind wir nicht mehr so völlig am Boden.

So weit, so gut. Das klappt vielleicht jetzt im Sommer. Wenn’s heiß und sonnig ist. Wie das im Winter wird, ist jetzt ne ganz andere Geschichte.

Wir weden sehen.